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Therapeutische Pflaster: Fehlanwendung vermeiden

 

Transdermale therapeutische Systeme (TTS) sind auf den ersten Blick leicht zu handhabende Darreichungsformen. Doch auch hier gibt es einige Beratungstipps, die der Apotheker geben kann. «Sehr häufig drücken Patienten oder Pfleger das Pflaster beim Aufkleben nicht lang genug auf die Haut», sagte Apotheker Dr. Wolfgang Kircher (Foto) aus Peißenberg beim Wochenendworkshop «Patient und Pharmazeutische Betreuung» in Hamburg. Dabei variiert die empfohlene Andrückzeit von Präparat zu Präparat und liegt zwischen 10 bis 60 Sekunden.

 

«Wenn ein Patient sagt, dass das Pflaster nicht wirkt, kann ein Grund sein, dass zu wenig und zu kurz gedrückt wurde», gibt Kircher zu bedenken, der als Experte für die praktische Anwendung von Arzneiformen gilt. Löst sich das Pflaster frühzeitig, ist dies auch eine Gefahr für enge Kontaktpersonen, die zum Beispiel das Bett teilen. Lässt die Klebewirkung nach, kann das TTS mit klassischen Heftpflastern fixiert werden.

 

Generell müsse man bei TTS mit starken Schwankungen von einem Anwender zum anderen rechnen, wie die Einzelkurven aus Studien zeigen, bemerkt Kircher. Die klassischen Kurven einer Freisetzungskinetik nullter Ordnung gebe es nur in Hochglanzbroschüren. «In Studien zeigte sich, dass die Wirkdauer beim selben Fentanyl-Präparat zwischen 6 und 42 Stunden schwanken kann», so Kircher. Das kann an Hauttemperatur, Hydrolipidfilm, Schweißbildung, Fettgewebe, Wasser- und Lipidgehalt, genetischen Polymorphismen für CYP-Enzyme und weiteren Faktoren liegen.

 

Auch Wärmeeinwirkung kann die Wirkung insbesondere von Fentanyl-TTS stark beeinflussen – sie verstärkt die Bioverfügbarkeit teils drastisch. Vorsicht ist geboten je nach Applikationsstelle bei der Anwendung von Wärmflaschen, Heizkissen, der Sitzheizung im Auto (TTS an Beinen und Rücken), der Trockenhaube beim Friseur (TTS im Dekolleté-Bereich) sowie bei Sonneneinstrahlung, Saunabesuch und heißen Bädern. Zum Vorgehen bei Fieber gebe es derzeit in Deutschland keine einheitlichen Vorgaben, so der Referent. In den USA empfehle man, das TTS ab einer Temperatur von 39,0 Grad Celsius abzuziehen und den Patienten mindestens einen Tag lang zu überwachen. (dh)

 

07.11.2017 l PZ

Foto: PZ/Daniela Hüttemann