Schwere Blutungen: Tranexamsäure sofort einsetzen |

Eine neue Studie zeigt, dass beim Einsatz blutungsstillender Medikamente jede Minute zählt. Das Sterberisiko durch Blutverlust nach einer schweren Verletzung oder Geburt kann um mehr als 70 reduziert werden, wenn Tranexamsäure direkt nach dem Ereignis gegeben wird. Die Überlebenschancen fallen ab da alle 15 Minuten um 10 Prozent, so das Ergebnis einer Metaanalyse von Daten mit mehr als 40.000 Patienten, die heute im Fachjournal «The Lancet» veröffentlicht wurde. Drei Stunden oder mehr nach dem Unfall oder der Geburt bringt das Medikament demnach keinen Nutzen mehr.
«Patienten müssen dringend sofort am Unfallort oder sobald eine schwere Blutung festgestellt wird, behandelt werden», betont Studieninitiator Professor Dr. Ian Roberts von der London School of Hygiene & Tropical Medicine. «Wir müssen sicherstellen, dass Tranexamsäure überall schnell verfügbar ist, auch bei jeder Geburt.» Denn weltweit sterben jedes Jahr mehr als zwei Millionen Menschen an traumatischen extrakraniellen Blutungen, oft in Folge von Gewalt oder Verkehrsunfällen. Etwa 100.000 Frauen sterben jedes Jahr an Post-Partum-Blutungen, dem Hauptgrund für Müttersterblichkeit weltweit.
«Tranexamsäure ist sicher, preisgünstig, einfach verabreichbar und muss nicht gekühlt werden», betont Roberts die Vorteile des Arzneistoffs. Eine sofortige Verfügbarkeit und Behandlung könne jedes Jahr tausende Leben retten. Komplikationen oder ein erhöhtes Risiko für thrombotische Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolie oder tiefe Beinvenenthrombosen konnten die Forscher nach Tranexamsäure-Gabe im Vergleich zu Placebo nicht erkennen. (dh)
DOI: 10.1016/S0140-6736(17)32455-8
08.11.2017 l PZ
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