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Schmerzmittel: Immer eine Beratung wert

Wer ein Schmerzmittel braucht, sollte sich Zeit für ein Beratungsgespräch in der Apotheke nehmen. Das rät die Apothekerkammer Niedersachsen heute in einer Pressemitteilung. In der Apotheke kann ermittelt werden, welches Analgetikum am besten zum Schmerz, zur gesundheitlichen Konstitution und auch zur restlichen Medikation des Patienten passt. Apotheker und PTA informieren über mögliche Wechsel- und Nebenwirkungen sowie Gegenanzeigen.

Wie beratungsbedürftig auch nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel sind, erläutert die Apothekerkammer am Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS). Anders als andere Mittel wirke ASS nicht nur schmerzstillend und entzündungshemmend, sondern verdünne bereits bei geringen Dosierungen zusätzlich auch das Blut. Dabei setzt die blutverdünnende Wirkung bereits nach wenigen Minuten ein und hält über etwa eine Woche an. «Vor ärztlichen Eingriffen, zum Beispiel beim Zahnarzt, sollten Patienten den behandelnden Arzt informieren, in welcher Dosis sie zu welchem Zeitpunkt ASS eingenommen haben», rät daher die Apothekerkammer. Für den Alltag sei es gut zu wissen, dass auch kleine Schnittverletzungen im Haushalt unter Umständen stärker bluten als gewohnt und sich schneller blaue Flecke bilden.

Patienten, die bereits mit Ibuprofen behandelt werden, sollten nicht zusätzlich ASS als Schmerzmittel einnehmen, warnen die niedersächsischen Apotheker. Wenn sich die Kombination nicht vermeiden lässt, sollte der Patient zuerst ASS und dann im Abstand von mindestens zwei Stunden Ibuprofen einnehmen. In der Selbstmedikation sollte ASS bei Schmerzen nicht länger als vier Tage am Stück eingenommen werden. «Bestehen die Schmerzen länger, muss die Ursache unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden», betont die Apothekerkammer.

Als Alternative stehen in der Selbstmedikation zudem Paracetamol, Diclofenac und Naproxen zur Verfügung, bei Migräne zudem die spezifisch wirksamen Triptane. Doch auch hier müssen mögliche Kontraindikationen, Interaktionen und Nebenwirkungen abgewogen werden. Für Kinder unter zwölf Jahren ist ASS kontraindiziert bis auf sehr wenige Situationen, über die der Arzt entscheiden muss.

Für alle Schmerzmittel gilt, dass eine Gewöhnung einsetzen kann und die Schmerzschwelle sinkt. «Das heißt, Reize, die für gesunde Menschen harmlos sind, können bei den Betroffenen zu Schmerzempfindungen führen», erklärt die Kammer und warnt vor einem Teufelskreis, wenn dies mit weiteren Analgetikagaben bekämpft wird. Dann hilft nur ein konsequentes Absetzen aller Schmerzmittel, was nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen darf. (dh)

09.11.2017 l PZ

Foto: Fotolia/auremar