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Hepatitis B: Medikamente absetzen im Einzelfall möglich

 

Bislang müssen Patienten mit einer Hepatitis-B-Infektion ihr Leben lang antivirale Medikamente einnehmen. Im Rahmen einer Pilotstudie an der Universität Leipzig ist nun überprüft worden, ob es möglich ist, die Arzneimittel abzusetzen. Es nahmen 42 Patienten teil, die bereits seit mindestens vier Jahren in Behandlung waren und bei denen die Erkrankung noch nicht fortgeschritten war, die Leber also noch keinen größeren Schaden genommen hatte. Die Hälfte der Probanden setzte die Medikamente unter engmaschiger Kontrolle ab, die andere Hälfte nahm sie weiter ein.

«Die Fallzahl unserer Studie war zwar nur klein, dennoch konnten wir zeigen, dass die Hälfte der Patienten auch ohne Therapie so stabil waren, dass sie keine erneute Behandlung benötigten», fasst Studienleiter Professor Dr. Thomas Berg vom Universitätsklinikum Leipzig die Ergebnisse zusammen. «Rund 20 Prozent der Patienten hatten nach den zwei Jahren die chronische Krankheit sogar ausgeheilt.» In der Kontrollgruppe waren dagegen bei allen Probanden noch Viren nachweisbar, berichteten die Forscher im Fachmagazin «Journal of Hepatology».

Heilung durch Absetzen der Medikamente – wie kann das sein? Vermutlich kommt es nach dem Stopp der Tabletteneinnahme zunächst zu einer Reaktivierung der Hepatitis. «Das Immunsystem reagiert darauf und behandelt wahrscheinlich die Reaktivierung wie eine Neuinfektion», erklärt Berg. Durch die stärkere Immunreaktion kann das Virus eliminiert werden, im Gegensatz zu einer chronischen Infektion.

«Weitere Studien müssen nun die Patientengruppen genauer definieren, welche für diese Form der Therapie infrage kommen», betont die Uni Leipzig. Die Deutsche Leberhilfe warnt jetzt vor einem eigenständigen Absetzen der Medikamente. In der Berichterstattung über die Studie sei zu wenig betont worden, dass ein Auslassversuch immer auch Risiken birgt und nur bei bestimmte Patienten funktioniert und dann auch nur unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle.

«So erfreulich diese Ergebnisse sind: Es wäre brandgefährlich, wenn Hepatitis-B-Patienten nun glauben, dass sie einfach mal ihre Medikamente absetzen könnten, ohne dies mit ihrem Arzt zu klären und überwachen zu lassen», warnt Ingo van Thiel, Pressesprecher und Patientenberater der Deutschen Leberhilfe. «Entzündungsschübe in der Leber laufen bei Hepatitis B nicht immer kontrolliert ab. Gerade, wenn bereits eine Zirrhose vorliegt, kann dies sogar zum Leberversagen führen.» Betroffene sollten zunächst ihren behandelnden Arzt auf die Studienergebnisse ansprechen. Nur Fachärzte könnten letztlich darüber entscheiden, ob dies beim einzelnen Patienten wirklich einen Absetzversuch rechtfertigen. (dh)

DOI: 10.1016/j.jhep.2017.07.012

 

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11.10.2017 l PZ

Foto: Fotolia/7activestudio