Rx-Diskussion in Münster: SPD und FDP in der Kritik |

Wenn man schon in den Willy-Brandt-Weg einlädt, hat man die SPD besonders im Blick. So geschehen gestern Abend in Münster, wo Apothekerkammer und Apothekerverband Westfalen-Lippe (AKWL und AVWL) zur politischen Diskussion eingeladen hatten. In der AVWL-Geschäftsstelle an besagter Adresse ging es einmal mehr um das von den Apothekern geforderte Rx-Versandverbot. Robert von Olberg, sozialdemokratischer Bundestagskandidat aus Münster, stand als Vertreter einer Partei, die ein solches Verbot ablehnt, besonders im Fokus.
Er sei in Sachen Versandverbot noch unentschlossen, sagte der junge Politiker auf dem Podium, auf dem neben ihm Mathias Höschel (CDU), Kathrin Vogler (Linke), Maria Klein-Schmeink (Bündnis 90/Die Grünen) und Jörg Berens (FDP) Platz genommen hatten. Als Standesvertreter diskutierten AKWL-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening und der AVWL-Vorsitzende Klaus Michels mit. Zwar käme er selbst «nie auf die Idee, den Apothekenversandhandel zu nutzen», weil er vor allem die Beratung in der lokalen Apotheke schätze, sagte von Olberg. Gleichwohl habe er durchaus Verständnis etwa für chronisch Kranke, die, auch aus Kostengründen, das Bonussystem nutzten, das ausländische Versender seit dem EuGH-Urteil vom vergangenen Oktober in Deutschland anbieten dürfen.
Als «völlig schräg» bezeichnete die Linke Kathrin Vogler eben diese Annahme, dass gerade Chroniker den Versandhandel bräuchten. «Es gibt keine Vor-Ort-Apotheke, die nicht schnell und zuverlässig Medikamente liefert», sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion.
Damit, dass er an diesem Abend einen schweren Stand haben würde, muss auch der Münsteraner FDP-Ratsherr Jörg Berens gerechnet haben. Seine Partei hatte zuletzt für Unmut unter den Apothekern gesorgt, als sie in ihrem Bundestagwahlprogramm das Mehr- und Fremdbesitzverbot infrage stellte. Entsprechend angriffslustig verhielt sich Berens auf dem Podium – zumal er als Social-Media-Beauftragter bei Doc Morris besonders viele Attacken aus dem Publikum hinzunehmen hatte. Als «rückwärtsgewandt» und «am Thema vorbei» bezeichnete er die Debatte. Statt auf ein rechtlich nicht durchsetzbares Verbot sollten die Apotheker lieber auf Eigenverantwortlichkeit und Wahlfreiheit der Patienten setzen und den Versandhandel als «sinnvolle Ergänzung für die flächendeckende Versorgung» betrachten, forderte er.
AKWL-Präsidentin Overwiening warnte eindringlich vor einer «Bagatellisierung von Arzneimitteln». Oftmals würden diese in der Diskussion als Ware betrachtet wie ein normales Konsumgut. «Doch es sind hochwirksame, potente Arzneimittel, die immer auch janusköpfig sind», sagte sie. Um so mehr komme es auf eine kompetente Beratung an, die nur die Apotheke vor Ort umfassend leisten könne.
Längst liegt ein von CDU-Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe initiierter Gesetzentwurf vor – so lange die anderen Parteien aber nicht mitziehen, tut sich nichts. «Wir müssen jetzt handeln, sonst wird der Bestandsschutz der Versandapotheken stärker und ein Verbot wird immer schwerer durchzusetzen», forderte CDU-Mann Höschel. Die Grüne Maria Klein-Schmeink schlug einen anderen Weg vor. Zwar hätten die Apotheker durch das EuGH-Urteil eine Wettbewerbsverzerrung hinzunehmen, aber ein Versandverbot verstoße nunmal gegen deutsches und europäisches Recht und sei entsprechend schwer durchzusetzen. «Wir müssen an ganz anderen Stellschrauben drehen und zum Beispiel das Entgeltsystem für Apotheker neu überdenken», forderte sie. (cd)
Mehr Positionen der Bundestagskandidaten aus Westfalen-Lippe zu den Apotheken bietet der Wahlcheck des AVWL: https://www.apothekerverband.de/presse/apotheken-wahlcheck-2017/
Lesen Sie dazu auch unsere Interview-Reihe mit führenden Gsundheitspolitikern der Parteien:
FDP: Marie-Agnes Strack-Zimmermann: »Wir brauchen die Apotheker«, Interview in der PZ 36/2017
Linke: Kathrin Vogler: »Apotheker können viel mehr«, Interview in der PZ 35/2017
CDU: Michael Hennrich: Wir kämpfen für das Rx-Versandverbot, Interview in der PZ 34/2017
SPD: Sabine Dittmar: Der Medikationsplan hat mich aufgeregt, Interview in der PZ 33/2017
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08.09.2017 l PZ
Foto: AVWL