Rezepturherstellung: Bleib sauber |

Ziel eines Rezeptur-Hygienemanagements ist die Sicherstellung der mibrobiologischen Qualität der in der Apotheke hergestellten Arzneimittel. Darauf wies Dr. Mirko Bergmann vom Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (ZL) in Eschborn bei einem Vortrag auf der Pharmamesse Expopharm in Düsseldorf hin. «Der Haupteinflussfaktor auf die mikrobielle Qualität von Rezepturen ist der herstellende Mitarbeiter», betonte der Apotheker. Vor der Herstellung sollten deshalb Schmuck an den Händen und Unterarmen abgelegt und lange Haare zurückgebunden werden. Die Nägel seien kurz, natürlich und unlackiert zu halten oder ansonsten Handschuhe zu tragen.
Bergmann zufolge sollte das herstellende Personal nach dem Waschen mit Wasser die Hände umfänglich mit Desinfektionsmittel benetzen und gemäß der DIN-Vorschrift EN1500 für wenigstens 30 Sekunden einwirken lassen. Ein Hygieneplan für das Personal solle zum Beispiel auflisten, welche Schutzkleidung in der Rezeptur zu tragen ist. «Es ist sicher nicht die beste Lösung, den Kittel aus dem HV-Bereich auch während der Rezepturherstellung zu tragen», so der Referent. Bergmann gab weitere allgemeine Empfehlungen für die Herstellung. So sollten Mitarbeiter mit ansteckenden Krankheiten oder offenen Verletzungen keine Rezepturen herstellen, Gefäße sollten nicht unnötig offen stehen und unnötiges Sprechen sollte während der Herstellung unterbleiben.
Neben dem Hygieneplan für das Personal ging Bergmann auch auf den notwendigen Raumhygieneplan ein. Darin sei genau festzulegen, was, wann, wie, womit und von wem zu reinigen ist. Idealerweise sollte das Rezepturlabor ein eigener Raum sein. Wände, Oberflächen und Fußboden sollten darin leicht zu reinigen sein, indem sie glatt und fugenfrei sind. Der Apotheker hob zwei weitere Punkte hervor: Zum einen sollte der Herstellungsort kein Aufenthaltsraum für das Personal sowie kein Lagerort sein. Zum anderen sollten Teedrogen an anderer Stelle gelagert werden. «Die Stäube von getrockneten Driogen sind sehr keimreich und können zu mikrobiellen Verunreinigungen der Rezeptur-Arzneimittel führen», sagte Bergmann.
Welche Reinigungsutensilien sind zu verwenden? Der Apotheker riet zu partikelarmen Einmaltüchern für kritische Flächen. «Utensilien zur Mehrfachnutzung sollten direkt nach der Anwendung, zum Beispiel durch Kochen, wieder hygienisch aufgearbeitet werden.»
Wer sich in Sachen Desinfektionsmittel schlaumachen will, dem legte Bergmann die sogenannte VAH-Liste des Verbundes für angewandte Hygiene unter www.vah-online.de ans Herz. Darin finde man geprüfte Präparate mit Angaben zur Wirksamkeit, Konzentration und Kontaktzeit. Gelistet sei nach Anwendungsgebieten, also Hände, Haut, Flächen, Instrumente und Wäsche.
Last but not least informierte Bergmann, dass Apotheken selbst hergestellten Isopropanol 70 Prozent nicht mehr zur Desinfektion nutzen dürfen, wenn sie keine Zulassung gemäß Biozid-Verordnung besitzen. Er riet deshalb dazu, einen Isopropanol-Hersteller zu wählen, der gemäß dieser Verordnung produziert. (ss)
Zur Liste für angewandte Hygiene: www.vah-online.de
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14.09.2017 l PZ
Foto: PZ/Siebenand