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Methotrexat: Giftinformationszentrum warnt vor Fehldosierung

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Arzneimittel zählen zu den häufigsten Auslösern von Vergiftungen bei Kindern und Erwachsenen. Dem jetzt veröffentlichten Jahresbericht 2016 des Giftinformationszentrums (GIZ) Nord in Göttingen zufolge waren 12.936 von 33.986 Vergiftungsfällen Medikamenten geschuldet, davon betreffen 4303 Fälle Kinder unter 15 Jahren. Zwar ist im Jahresbericht nicht weiter aufgeschlüsselt, um welche Medikamente es sich handelt, doch warnt das GIZ Nord in einer Pressemitteilung ausdrücklich vor schweren Intoxikationen mit dem Krebs- und Rheumamedikament Methotrexat (MTX).

In der Rheuma-Therapie muss MTX meist nur einmal wöchentlich in Tablettenform eingenommen werden. «Da dies eine sehr ungewöhnliche Therapie ist, kommt es immer wieder dazu, dass die Patienten die Tabletten jeden Tag, und nicht nur einmal pro Woche, einnehmen», erklärt das GIZ Nord. Eine zu hohe Dosis kann zu schweren Veränderungen des Knochenmarks und des Immunsystems führen. Das GIZ hat die Arzneimittelüberwachungsbehörden über die Problematik informiert.

59 Prozent der mehr als 38.000 Anfragen kamen aus der Bevölkerung, 41 Prozent von medizinischem Fachpersonal. Neben den Arzneimitteln führen vor allem chemische Produkte, Pflanzen, Nahrungs- und Genussmittel sowie Kosmetika und Hygieneprodukte zu Vergiftungsverdachtsfällen. Dabei kommt es vor allem im Haushalt zu Intoxikationen (31.522 von 33.986 Fällen). Die meisten Vergiftungen (24.750) geschahen unabsichtlich. In 5794 Fällen lag ein Suizidversuch vor, 1008-mal kam es zu Substanzmissbrauch und in 205 Fällen zu einer sogenannten Fremdbeibringung. In 133 Fällen wurde die Vergiftung als unerwünschte Reaktion auf ein Arzneimittel eingestuft. (dh)

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01.09.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Viacheslav Iakobchuk