Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Phase-II-Studie: Erfolg für HIV-Monatsspritze

 

HIV-Patienten, die keine Tabletten einnehmen wollen, können zukünftig stattdessen womöglich auf Injektionen im Vier- oder Acht-Wochen-Rhythmus ausweichen. Eine lang wirksame Injektionslösung mit den beiden antiretroviralen Wirkstoffen Cabotegravir und Rilpivirin ist jetzt erfolgreich in einer Phase-II-Studie getestet worden. Im direkten Vergleich gelang die Virussuppression mit vier- oder achtwöchigen Injektionen sogar bei mehr Patienten als mit einem oralen Therapieregime, wie ein Forscherteam um Dr. David Margolis von der Herstellerfirma Viiv im Fachjournal «The Lancet» schreibt.

Nach einer HIV-Infektion müssen Patienten für den Rest ihres Lebens eine antiretrovirale Therapie (ART) erhalten, um die Virusvermehrung zu stoppen und einen Ausbruch der Immunschwächekrankheit Aids zu verhindern. Anders als in den Anfangszeiten der ART, als Betroffene täglich sehr viele Tabletten schlucken mussten, konnte die Tablettenlast durch die Entwicklung neuer Wirkstoffe und fixer Kombinationen unterdessen stark gesenkt werden. Mittlerweile sind Medikamente verfügbar, von denen HIV-Infizierte täglich nur noch eine einzige Tablette einnehmen müssen. Doch auch das empfinden manche Betroffen noch als zu viel; die Befürchtung, bei der Einnahme beobachtet und so als HIV-Infizierter identifiziert zu werden, sowie der Widerwille, durch die Tablette jeden Tag selbst an die eigene Infektion erinnert zu werden, spielen hierbei eine Rolle. Für diese Patientengruppe könnte stattdessen die Injektion in größeren Abständen attraktiv sein.

Bei der in der LATTE-2-Studie getesteten Injektionslösung handelt es sich um eine zur intramuskulären Anwendung bestimmte Nanosuspensions-Formulierung mit dem neu entwickelten HIV-Integrase-Hemmer Cabotegravir (GSK1265744), ein Analog von Dolutegravir (Tivicay®), und dem nicht nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmer Rilpivirin (Edurant®). 309 therapienaive HIV-Infizierte wurden zunächst oral über 20 Wochen mit Cabotegravir, Abacavir und Lamivudin behandelt, um die Virusvermehrung zu stoppen. Von 286 Teilnehmern mit Virussuppression (weniger als 50 Kopien HIV-RNA pro ml Blut) erhielten anschließend randomisiert je 115 die Cabotegravir-Rilpivirin-Spritze entweder im Vier- oder Acht-Wochen-Rhythmus und 56 weiter die orale Cabotegravir-Abacavir-Lamivudin-Kombi. 32 Wochen nach der Randomisierung betrug der Anteil an Patienten mit weiterbestehender Virussuppression unter oraler Therapie 91 Prozent, mit der Monatsspritze 94 Prozent und mit der Zweimonatsspritze 95 Prozent. Auch eine Auswertung nach 96 Wochen zeigte einen Vorteil für die Spritze mit 87 Prozent (Vier-Wochen-Abstand) beziehungsweise 94 Prozent (Acht-Wochen-Abstand) gegenüber 84 Prozent (orale Therapie).

Schmerzen an der Injektionsstelle waren mit 97 Prozent in der Vier-Wochen-Gruppe und 96 Prozent in der Acht-Wochen-Gruppe die häufigste Nebenwirkung; sie waren meistens mild bis moderat ausgeprägt und nach drei Tagen wieder verschwunden. Daneben kam es in allen drei Behandlungsarmen zu Nasopharyngitis, Durchfall und Kopfschmerzen. Wirksamkeit und Sicherheit des neuen Medikaments werden in laufenden Phase-III-Studien nun weiter untersucht. (am)

DOI: 10.1016/S0140-6736(17)31917-7

 

Mehr zum Thema HIV und Aids

 

24.07.2017 l PZ

Foto: Fotolia/tashatuvango