Kautabak Naswar: Krebsalarm der grünen Paste |

Der in Pakistan, Afghanistan und anderen zentralasiatischen Ländern beliebte Kautabak Naswar erhöht das Risiko für Mundhöhlenkarzinome bei Konsumenten im Vergleich zu Nicht-Anwendern um mehr als das 20-Fache. Das ist das Ergebnis einer in «PLOS one» veröffentlichten Fall-Kontroll-Studie des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie BIPS.
Wie einer Pressemitteilung des Instituts zu entnehmen ist, enthält Naswar ein Gemisch aus Tabakblättern, Asche, Löschkalk und verschiedenen Aromastoffen. Ein Päckchen mit der grünen Paste koste nur einen Bruchteil des Preises für eine Packung Zigaretten, Naswar werde in Zentralasien immer beliebter.
Bei rauchlosen Tabakprodukten werden die Inhaltsstoffe nicht eigeatmet, sondern direkt mit der Mundhöhlen- oder Nasenschleimhaut durch Auflegen, Kauen oder Schnupfen in Kontakt gebracht, wo das Nikotin über die Schleimhaut absorbiert wird – so auch bei Naswar. Es wird zumeist in die Mundwangentasche gelegt und verbleibt dort für längere Zeit.
«Zwar hat die Internationale Krebsforschungsagentur IARC rauchfreien Tabak insgesamt als krebserregend eingestuft, zu dem in Pakistan weit verbreiteten Naswar gibt es aber kaum Daten. Genau an diesem noch unklaren Punkt wollten wir ansetzen», erklärt Professor Dr. Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am BIPS. Die Ergebnisse der Studie seien deutlich. «Im Vergleich zu Personen, die noch nie Naswar konsumierten, haben Personen, die zum Zeitpunkt der Studie oder in der Vergangenheit Naswar konsumierten, ein mehr als 20-fach erhöhtes Risiko, Mundhöhlenkarzinome zu entwickeln», so Zeeb. Etwa 70 Prozent aller Fälle von Mundhöhlenkrebs in der Studienregion ließen sich demnach auf Naswar zurückführen. Natürlich habe man auch andere Risikofaktoren untersucht. So hatte Alkoholkonsum kein höheres Risiko für Mundhöhlenkrebs zur Folge, während das Rauchen von Tabak das Risiko für Mundhöhlenkrebs «nur» verdoppelte.
Zeeb hat auch eine Erklärung dafür, warum das Krebsrisiko bei Naswar zum Beispiel im Vergleich zum in Schweden gängigen Oraltabak Snus so dermaßen erhöht ist. Zum einen habe Naswar einen relativ hohen Anteil schädlicher, tabakspezifischer Nitrosamine verbunden mit einem hohen Nikotingehalt. Viel suchtförderndes Nikotin lasse Konsumenten also häufiger zu einem schädlichen Produkt greifen. Zum anderen bewirke der hinzugesetzte Löschkalk einen Anstieg des pH-Werts ins alkalische Milieu, was Freisetzung und Aufnahme des Nikotins fördert. Der alkalische pH-Wert schädige zudem die Schleimhaut, bewirke also Läsionen im Gewebe, die immer auch ein Risikofaktor für Krebs sind. In Snus ist dagegen kein Kalk enthalten. Last but not least enthalte die dem Naswar hinzugesetzte Asche Schwermetalle, welche die Toxizität weiter erhöhen. (ss)
DOI: 10.1371/journal.pone.0180445
31.07.2017 l PZ
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