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Große Studie: Keine Demenz durch Säureblocker

 

Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) stehen seit Längerem unter Verdacht, das Risiko für eine Demenz-Erkrankung zu erhöhen. Dem widersprechen jetzt Forscher vom Massachusetts General Hospital und der Harvard Medical School in Boston. Ihre retrospektive Analyse der Daten von fast 14.000 Frauen der Nurses Health Study 2, bei der über viele Jahre die Gesundheit von Krankenschwestern genauestens untersucht wurde, zeigt kein erhöhtes Demenzrisiko durch PPI. Die Gruppe um den Gastroenterologen Dr. Andrew T. Chan berichtet über ihre Ergebnisse im Fachjournal «Gastroenterology».

PPI werden unter anderem bei gastroösophagealer Reflux-Erkrankung (GERD) oder zum Magenschutz bei benötigter Dauermedikation mit nicht steroidalen Antirheumatika langfristig verschrieben. In letzter Zeit wurden mehrere Studien veröffentlicht, die zum Teil vor potenziellen Nebenwirkungen wie kognitiven Störungen, Knochenbrüchen oder gar einem erhöhten Sterberisiko warnen, zum Teil aber auch den Nutzen bei korrekter Indikationsstellung der PPI betonen.

«Eine der häufigsten Fragen, die Patienten Gastroenterologen stellen, ist, ob PPI sicher sind», sagt Chan in einer Mitteilung der US-amerikanischen gastroenterologischen Fachgesellschaft. Schlagzeilen zu möglichen Risiken verunsicherten die Patienten stark. «Unsere Forschung sollte die Patienten, die eine Langzeitbehandlung mit diesen hoch wirksamen Medikamenten benötigen, etwas beruhigen.»

Die Fachgesellschaft betont zugleich, dass eine sachgerechte Anwendung wichtig ist. Patienten sollten ihre Medikation nicht eigenmächtig ändern. Wenn möglich, sollte durch Lebensstiländerungen wie Gewichtsabnahme, Rauchstopp und andere Essgewohnheiten der Bedarf für PPI reduziert werden.

Patienten sollten zudem ihren Arzt ansprechen, wenn sie beängstigende Schlagzeilen über PPI lesen. Aktuell gelte immer noch, dass bei Patienten mit ärztlicher Diagnose für bestimmte Erkrankungen der langfristige Einsatz von PPI der Nutzen den möglichen Schaden überwiegt. Das hatten erst vor Kurzem auch deutsche Gastroenterologen empfohlen. In der Selbstmedikation sollten PPI dagegen nicht länger als 14 Tage ohne Rücksprache mit dem Arzt angewendet werden. (dh)

DOI: 10.1053/j.gastro.2017.06.061

 

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21.07.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Picture-Factory