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Westfalen-Lippe: Versorgungswerk passt Leistungen an

 

Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase passt das Versorgungswerk der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (VAWL) die Leistungszusagen für die zukünftigen Renten altersabhängig an. «Als Naturwissenschaftler muss man sich den Fakten stellen und eine nachhaltige Lösung finden», sagte VAWL-Vorstandsvorsitzender Dr. Mathias Flume bei der Vorstellung des ausgeklügelten Maßnahmenpakets bei der Vertreterversammlung heute in Münster. Auch Vertreter der Bremer Kammer waren anwesend, da die Apotheker in der Hansestadt ebenfalls Mitglied im VAWL sind.

 

Für Anwartschaften, die aus Beitragszahlungen bis zum 31. Dezember 2013 erworben wurde, wird der Rechnungszins dauerhaft von 4 auf 3,5 Prozent gesenkt. Für Anwartschaften basierend auf Beiträgen in den Jahren 2014 bis 2017 wird der Rechnungszins von 3 auf 2,75 Prozent gesenkt. Für alle Beiträge ab 2018 gilt dann ebenfalls ein Rechnungszins von 2,75 Prozent. Die Vertreterversammlung des Versorgungswerks beschloss heute nach ausführlicher Diskussion eine entsprechende Satzungsänderung mit drei Nein-Stimmen und vier Enthaltungen. Es gebe aber keine Eingriffe in bereits laufende Rentenleistungen, versicherten Vorstand und Aufsichtsrat.

 

«Angesichts der radikalen Veränderung auf dem Kapitalmarkt sind das vergleichsweise milde und schonende Eingriffe», betonten Flume und der Aufsichtsratsvorsitzende Rudolf Strunk. Die Altersversorgung durch das VAWL bleibe stabil und verlässlich. «Für Rentner ändert sich nichts, für alle anderen Mitglieder gilt die Faustformel: Je näher sie vom Renteneintritt stehen, desto geringer sind die Auswirkungen», erläuterte Flume. «Gleichwohl bleibt das Niveau im Vergleich zur gesetzlichen Rentenversicherung attraktiv.» Die «rentenferneren Jahrgänge» hätten noch ausreichend Zeit, um gegenzusteuern und beispielsweise durch zusätzliche, freiwillige Einzahlungen ins Versorgungswerk eine Höherversicherung zu erreichen.

 

Finanziert würden die Eingriffe über alle Mitgliedergenerationen hinweg, unter anderem durch die Einführung von Generationen- und Renditefaktoren für alle mit Renteneintritt ab 2020, der Auflösung von Teilen der Zinkschwankungsreserve sowie die Einführung von Elementen aus dem offenen Deckungsplanverfahren, das dem Versorgungswerk mehr Spielraum gibt.

 

Auf der Aktivseite setzt das VAWL auf eine «offensivere, chancenorientierte Strategie» in der Kapitalanlage. «Im Wesentlichen geht es um eine sukzessive Umschichtung von zinstragenden Anlagen hin zu Sachwerten wie Aktien, Immobilien, Infrastruktur und Private Equity», erklärte Flume. Gleichzeitig will das VAWL seine Rücklagen weiter ausbauen. So soll der gesamte Rohgewinn aus 2016 in Höhe von 14,86 Millionen Euro komplett in die Rücklagen fließen.

 

In einem Hintergrundgespräch erläuterte einer der VAWL-Geschäftsführer, Andreas Hilder, der Pharmazeutischen Zeitung, dass es Hinweise gibt, dass die schwierige Anlagesituation weiter anhält. Daher stelle man sich auf schlechte Zeiten ein. Sollte sich dagegen die Situation entspannen, könnten Überschüsse für Dynamisierungen der Anwartschaften eingesetzt werden. Dabei werde man fairerweise die besonders belasteten Beitragszahler stärker berücksichtigen.

 

Flume bot auch konkrete Beispiel für die Belastung: Für ein heute 50-jähriges Mitglied, das mit 25 Jahren ins Versorgungswerk eingetreten ist und 50 Prozent des GRV-Höchstbeitrags geleistet hat, ergeben sich folgende Auswirkungen: Die Altersrente mit 67 Jahren würde sich um 12,4 Prozent verringern, sollte es keinerlei Dynamisierungen geben. Sie liegt immer noch deutlich über der Gesetzlichen Rente. Bei einer Dynamisierung um 0,9 Prozent pro Jahr halbiert sich die «Rentenkürzung». Bei einer jährlichen Dynamisierung von 1,4 Prozent ergibt sich eine «Rentenlücke» von 5 Prozent. Schlechter sieht es für ein heute 30-jähriges Mitglied aus: Die Altersrente würde sich ohne Dynamisierung um 37,0 Prozent verringern; bei Dynamisierung um 1,4 Prozent pro Jahr läge die Lücke aufgrund der längeren Laufzeit aber nur noch bei 4 Prozent. Vorstand, Aufsichtsrat, Geschäftsführer und der externe Versicherungsmathematiker waren sich einig, dass die Maßnahmen möglichst generationengerecht sind.

 

Insgesamt zeigten sich die Apotheker mit dem Geschäftsbericht des VAWL in 2016 zufrieden. «Mit einer erwirtschafteten Nettorendite von 4,1 Prozent können wir auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken», berichtete Flume. Die Summe der Kapitalanlagen wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 83 Millionen Euro auf 2,11 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 4,1 Prozent entspricht. Auch die Bilanzsumme erhöhte sich um 83 Millionen auf 2,15 Milliarden Euro. Zum Jahresende 2016 zählte das VAWL 6.725 Mitglieder und 2.171 Leistungsempfänger. Aus dieser starken Position heraus sei es zwingend notwendig, den Tanker Versorgungswerk bereits jetzt auf den richtigen Kurs für stürmische Zeiten zu bringen, so der Vorstandsvorsitzende. (dh) 

 

31.05.2017 l PZ

Foto: Fotolia/blende40