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QT-Zeit-Verlängerung: Potenziell tödliche Nebenwirkung

 

Mehr als 200 Arzneistoffe aus verschiedenen Klassen, darunter Kardiaka, Antibiotika und Psychopharmaka, können den Herzrhythmus stören, die QT-Zeit verlängern und Torsade-de-Pointes-Arrhythmien auslösen. Die kardialen Nebenwirkungen sind potenziell lebensgefährlich, denn sie können zum plötzlichen Herztod führen. «Es gibt kein Arzneimittel, das absolut herzsicher ist», mahnte Dr. Dirk Keiner von der Apotheke des Sophien- und Hufeland-Klinikums in Weimar beim Pharmacon Meran.

 

Die QT-Zeit lässt sich nur mit dem Elektrokardiogramm (EKG) erfassen. Von einem verlängerten QT-Intervall spricht man bei Werten ab 450 msec bei Männern und 470 msec bei Frauen; bei Kindern und Jugendlichen bis 15 Jahre liegt der Wert bei 460 msec.

 

Der Apotheker wies auf die wichtigsten Risikofaktoren hin: weibliches Geschlecht, höheres Alter, Arzneimittelinteraktionen, kardiovaskuläre Vorerkrankungen, Elektrolytstörungen und genetische Prädisposition. Dazu gehört das Long-QT-Syndrom, eine angeborene Verlängerung des QT-Intervalls. Betroffen ist etwa eines von 2000 Neugeborenen, aber trotz dieser Häufigkeit werden Babys nicht darauf untersucht. Bekommen diese Menschen QT-Zeit-verlängernde Medikamente, kann die kritische Schwelle rasch überschritten werden.

 

Apotheker sollten besonders auf Arzneimittel und hohe Wirkstoffkonzentrationen achten. «Frauen reagieren empfindlicher auf QT-Zeit-verlängernde Medikamente als Männer», berichtete Keiner. Ein Grund: Männer hätten aufgrund ihres Testosteron-Spiegels eine um etwa 20 msec niedrigere physiologische QT-Zeit. Das bedeutet aber auch: Bekommt der Mann zum Beispiel wegen eines Prostatakarzinoms Antiandrogene, steigt sein Herzrisiko. Auch die neuen oralen Onkologika wie Tyrosinkinase-Inhibitoren könnten kardial toxisch wirken.

 

Gefährdet sind auch Schizophrenie-Patienten, die eine längere QT-Zeit als Gesunde haben. Bekommen sie Antipsychotika oder Antidepressiva, die die QT-Zeit weiter verlängern, kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen. Ebenso wurde für Antidementiva ein kardiales Risiko gezeigt. (bmg)

 

22.05.2017 l PZ

Foto: PZ/Alois Müller