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Ärzte verschreiben zu oft Fluorchinolone

 

Deutsche Ärzte verschreiben wichtige Reserveantibiotika zu häufig auch bei Bagatellerkrankungen. Das hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) in einer Analyse festgestellt. Das Institut prüfte, wie häufig Mediziner Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone verordnen. Diese Medikamente sind zur Behandlung schwerwiegender und lebensbedrohlicher Erkrankungen vorgesehen und können schwere Nebenwirkungen auslösen.

 

In Deutschland stellten sie 2015 jedoch die am vierthäufigsten verordnete Antibiotika-Gruppe dar, bemängelt das WIdO. Knapp 1,9 Millionen Packungen mit diesen Medikamenten seien in diesem Zeitraum über den HV-Tisch gegangen. Das sind 16 Prozent aller Antibiotika-Verordnungen. Mehr als 4 Millionen Versicherte haben demnach 2015 ein solches Präparat eingenommen. Besonders häufig verschrieben Ärzte Ciprofloxacin.

 

Fluorchinolone sind eine von insgesamt fünf Arzneimittelgruppen, die derzeit eine neue Risikobewertung durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) durchlaufen. Grund sind Meldungen über schwerwiegende Nebenwirkungen wie Sehnenrisse, Depressionen und Angstzustände. Aus diesem Grund sollten diese Medikamente eigentlich «nur nach gründlicher Nutzen-Risiko-Bewertung verschrieben werden», sagte der stellvertretende WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder.

 

An diese Vorgabe halten sich deutsche Ärzte anscheinend zu selten. Mehr als 70 Prozent der Fluorchinolone seien 2015 von Hausärzten verordnet worden, stellten die Mitarbeiter des WIdO fest. Dies zeige, dass die Medikamente durchaus nicht nur bei lebensbedrohlichen Krankheiten zum Einsatz kommen, sondern auch bei Bagatellerkrankungen wie Bronchitis, Sinusitis und unkomplizierten Harnwegsinfekten.

 

Um Resistenzen vorzubeugen und Patienten vor unnötigen Nebenwirkungen zu schützen, sollten Mediziner Fluorchinolone künftig zurückhaltender einsetzen, forderte Schröder. Bei vielen Indikationen könnten sie stattdessen ältere, langjährig erprobte Substanzen verschreiben. Es müsse sich herumsprechen, dass Antibiotika mit der Endung -floxacin nicht unproblematisch sind. Über ihre Gefahren und Alternativen müssten sowohl Ärzte als auch Patienten besser Bescheid wissen. (ap)

 

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02.05.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Kzenon