Neurodermitis: Biologika im Kommen |

Patienten mit schwerer Neurodermitis könnten künftig von zielgerichteten Therapien profitieren, wie Professor Dr. Thomas Ruzicka von der LMU München bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie in München berichtete. Mit etwa zehnjähriger Verspätung im Vergleich zur Psoriasis-Therapie würden monoklonale Antikörper nun auch bei Neurodermitis erforscht.
Dabei steht der Juckreiz im Vordergrund. Dieser sei nicht nur quälend, sondern fördere den Defekt der Hautbarriere. «Heute wird diskutiert, ob das atopische Ekzem eventuell die Folge des Kratzens und nicht die Ursache ist», sagte der Dermatologe.
Als wichtiges Pruritus induzierendes Zytokin wurde Interleukin IL-31 identifiziert. Es werde kaum in normaler Haut gebildet, aber bei Neurodermitis überexprimiert, so Ruzicka. Der gegen den IL-31-Rezeptor gerichtete Antikörper Nemolizumab habe bei subkutaner Gabe einmal im Monat den Juckreiz dosisabhängig um 60 bis 70 Prozent gebessert, berichtete Ruzicka aus einer eigenen, kürzlich im New England Journal of Medicine veröffentlichten zwölfwöchigen Studie.
Der Effekt sei rasch eingetreten. Das Placebo bewirkte eine etwa 20-prozentige Besserung – ein Wert, der laut Ruzicka in fast allen Studien mit Placebo erreicht wird. Der Schweregrad des atopischen Ekzems habe sich unter Verum um 40 bis 50 Prozent gebessert. Eine Langzeitstudie über 52 Wochen sei in Auswertung.
Von einem anderen Antikörper berichtete Professor Dr. Diamant Thaçi vom Uniklinikum Schleswig-Holstein bei einem von Sanofi-Aventis Deutschland unterstützten Symposium im Rahmen der GD-Tagung. Dupilumab ist ein humaner Antikörper gegen die identische α-Untereinheit von IL-4- und IL-13-Rezeptoren und unterbricht somit die IL-4- und IL-13-gesteuerte Signalkaskade. In zwei Phase-III-Studien führte Dupilumab bei 37 Prozent der mit 300 mg subkutan behandelten Patienten zu einer (fast) erscheinungsfreien Haut. In der Placebogruppe waren es 8 Prozent. Zudem gingen Juckreiz, Angst und Depression zurück und die Lebensqualität nahm zu, berichtete der Dermatologe. (bmg)
DOI: 10.1056/NEJMoa1606490
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22.03.2017 l PZ/dpa#
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