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Bei Kinderwunsch auch an die Schilddrüse denken

 

In der Schwangerschaft muss die Schilddrüse der Mutter den wachsenden Fetus zunächst mitversorgen, bevor dieser anfängt, selbst Schilddrüsenhormone zu produzieren. Die Schilddrüse der Mutter muss dazu 50 Prozent mehr leisten als sonst – eine Herausforderung, der sie nicht immer gewachsen ist. «Viele Frauen haben während der Schwangerschaft zum ersten Mal eine Funktionsstörung der Schilddrüse», sagt Professor Dr. Dagmar Führer vom Universitätsklinikum Essen in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).

 

Eine Unterfunktion des Organs kann zu schwerwiegenden Komplikationen führen: Sie gefährdet die Entwicklung des kindlichen Gehirns und erhöht das Risiko für Früh- und Fehlgeburten. Um das zu vermeiden, sollten Frauen während der gesamten Schwangerschaft und Stillzeit täglich eine Tablette mit 150 Mikrogramm Iod einnehmen.

 

Ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsen-Funktionsstörungen besteht bei Frauen mit vorbekannter Schilddrüsenerkrankung, Typ-1-Diabetes oder anderen Autoimmunerkrankungen, Übergewicht sowie bei älteren Schwangeren. Bereits erlittene Fehl- oder Frühgeburten können auf eine Autoimmunthyreoiditis hindeuten. Bei dieser auch als Hashimoto-Thyreoiditis bekannten Autoimmunerkrankung greift das Immunsystem Zellen der Schilddrüse an, es kommt zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse und zu einer Unterfunktion des Organs. Laut Führer haben zwischen 2 und 17 Prozent der Frauen mit Kinderwunsch Anzeichen für diese Erkrankung.

 

Die DGE rät Frauen mit erhöhtem Risiko, ihre Schilddrüsenfunktion testen zu lassen. «Das Thema Schilddrüse fehlt weitgehend im Mutterpass», bemängelt DGE-Mediensprecher Professor Dr. Mattias Weber von der Universität Mainz. Ein risikobasiertes Screening finde nicht statt und die Einnahme von Iodtabletten bleibe der Eigeninitiative der Schwangeren überlassen.

 

Bei einem Funktionstest der Schilddrüse bestimmt der Arzt die Konzentration des Hormons TSH im Blut. Er ist bei einer Schilddrüsenunterfunktion erhöht. Der Grenzwert bei Schwangeren wurde laut Führer erst kürzlich auf 4 mU/l erhöht. (am)

 

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09.03.2017 l PZ

Foto: Fotolia/mmphoto