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Asthmasprays: Kaum ein Patient inhaliert richtig

Die korrekte Anwendung von Dosieraerosolen zur Asthma- oder COPD-Therapie überfordert fast alle Patienten. Eine häufige Fehlerquelle ist etwa die zeitliche Koordination zwischen dem Einatmen und dem Auslösen des Arzneimittelsprays. Gerade hier wirkt sich aber ein Anwendungsfehler besonders stark aus, wie ein Team um Rajoshi Biswas von der Rice University in Houston, Texas, im «Journal of Aerosol Medicine and Pulmonary Drug Delivery» ausführt. Eine mangelhafte Koordination zwischen Einatmen und Auslösen des Sprühstoßes führte dazu, dass die Menge des Wirkstoffs, die in der Lunge ankommt, um 23 Prozent schwankte.

 

Die Forscher machten ihre Messungen an einem eigens konstruierten In-vitro-Modell der menschlichen oberen Atemwege, in das sie einzelne Sprühstöße eines Salbutamol-haltigen Asthmasprays applizierten. Dabei stellten sie häufige Anwendungsfehler von Lungenpatienten nach. So lösten sie etwa den Sprühstoß im Verhältnis zum Atemzug zu früh oder zu spät aus und variierten die Stärke des Atemzugs.

 

Es zeigte sich, dass bei hohen Einatemgeschwindigkeiten von 60 bis 90 l pro Minute am meisten Wirkstoff in der – fiktiven – Lunge ankam, nämlich mehr als 40 Prozent der applizierten Dosis. Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu offiziellen Empfehlungen, die zu einer langsamen Inhalation mit nur 30 l pro Minute raten. Diese Empfehlungen seien jedoch zu hinterfragen, da sie noch auf Messungen mit den längst vom Markt genommenen FCKW-haltigen Inhalern früherer Tage basierten, so die Autoren. Ob sie auch für die heute gebräuchlichen, Hydrofluoroalkan-haltigen Sprays gelten, sei bislang lediglich in In-vitro-Modellen unter Idealbedingungen getestet worden.

 

Diese sind in der Praxis jedoch bekanntlich so gut wie nie gegeben, wie auch diese Arbeitsgruppe im vergangenen Herbst mit einem Poster bei einer Fachtagung zeigte: Von 23 Asthma- und COPD-Patienten, deren Inhalationstechnik die Forscher damals genau analysiert hatten, machten alle mindestens einen Fehler, 74 Prozent sogar drei oder noch mehr. Lediglich ein gutes Drittel (35 Prozent) löste den Sprühstoß zum richtigen Zeitpunkt aus, nämlich erst nach dem Start des Atemzugs.

 

Angesichts der neuen Messergebnisse ist das ein katastrophaler Wert, wie Biswas in einer Mitteilung der Universität erklärt: «Koordination ist das, worauf es am meisten ankommt. Es ist von zentraler Bedeutung, dass der Patient kurz vor oder genau gleichzeitig mit dem Auslösen des Sprühstoßes anfängt einzuatmen. Eine Verzögerung um nur eine halbe Sekunde führte bereits dazu, dass nur circa 20 Prozent des Wirkstoffs in der Lunge ankamen – etwa die Hälfte von dem, was der Patient im Idealfall inhaliert.» Variationen bei der Einatemgeschwindigkeit führten dagegen in der Studie zu geringfügigeren Wirkstoffschwankungen um höchstens 5 Prozent.

 

Die ideale Inhalation beschreibt Biswas folgendermaßen: «Der Patient atmet tief und schnell über circa drei Sekunden ein und löst den Inhaler etwa eine halbe Sekunde nach Start des Atemzugs aus.» Um die Wirkstoffaufnahme zu optimieren, soll der Patient danach die Luft anhalten, bevor er wieder langsam ausatmet. (am)

 

DOI: 10.1089/jamp.2015.1278 (Studie)

DOI: 10.1016/j.chest.2016.08.017 (Poster)

 

02.03.2017 l PZ

Foto: Fotolia/pix4U