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Ionenkanäle: Wie geht die Schleuse auf?

 

Ionenkanäle sind transmembranäre Schleusen, die den Transport elektrisch geladener Teilchen in die Zelle ermöglichen. Einige Kanäle werden erst mithilfe von Adapterproteinen freigeschaltet, wiesen Forscher vom Walther-Straub-Institut für Pharmakologie und Toxikologie der LMU München jetzt nach. Diese könnte für die Tumorforschung interessant sein.

 

Das Team um Professor Dr. Michael Mederos y Schnitzler und Dr. Ursula Storch entdeckte den bisher unbekannten Aktivierungsmechanismus an den Kationenkanälen TRPC4 und TRPC5. Diese kommen in verschiedenen Zellen und Geweben vor und leiten Natrium- und Calciumionen in die Zelle. Es zeigte sich, dass die Aktivierung ohne die Mithilfe bestimmter Adapterproteine nicht funktioniert, heißt es in einer Pressemeldung der LMU. Diese Proteine sind im inaktiven Zustand ebenso wie das Molekül PIP2 an den Ionenkanal gebunden. Die enzymatische Spaltung von PIP2 löst eine Strukturänderung des Kanals aus, durch die auch die Adapterproteine abgelöst werden. Dieser Prozess macht den Weg frei für den intrazellulären Botenstoff Diacylglycerol, der die Aktivierung der Kationenkanäle abschließt.

 

Im Unterschied zu anderen Ionenkanälen derselben Familie werden TRPC4 und TRPC5 aber nicht direkt durch Diacylglycerol aktiviert. Vorgeschaltet sind die Adapterproteine als dynamische Regulatoren. Diese Funktion eines molekularen Adapters war bisher völlig unbekannt.

 

Da die Adapterproteine abhängig von ihrer Lokalisation innerhalb einer Tumorzelle das Tumorwachstum beeinflussen und TRPC4- und -5-Kanäle in vielen Tumorzellen exprimiert sind, ist diese Interaktion auch medizinisch interessant. Die Kanal-Adapterprotein-Komplexe könnten Ansatzpunkte für die Arzneimittelentwicklung werden. (bmg)

 

10.02.2017 l PZ

Foto: Fotolia/123dartist (Symbolbild)