Grippeimpfung: Nutzen und Risiken falsch eingeschätzt |

Senioren und chronisch kranke Menschen sollten sich im Oktober oder November gegen Grippe (Influenza) impfen lassen. Dazu ruft derzeit unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie auf. Die Impfquote liegt laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei den Über-60-Jährigen bei 50 Prozent, bei den chronisch Kranken sogar nur bei 40 Prozent. Dabei empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung gegen die saisonale Influenza allen Angehörigen dieser Gruppen, da sie ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf der Virusinfektion tragen.
Die DGI vermutet hinter der niedrigen Impfquote zum einen die Ansicht, Influenza sei keine gefährliche Erkrankung. «Influenza ist kein grippaler Infekt, sondern eine Infektionskrankheit, die mit hohem Fieber einhergeht – gerade für ältere Menschen und solche mit geschwächtem Immunsystem ist sie also durchaus gefährlich», warnt DGI-Vorstandsmitglied Professor Dr. Bernd Salzberger. Zum anderen schätze die Bevölkerung die Nutzen und Risiken der Impfung häufig falsch ein.
Einer RKI-Umfrage aus dem vergangenen Jahr zufolge fürchtet die Hälfte der älteren und chronisch kranken Menschen, die Grippeimpfung selbst könne die Erkrankung auslösen. «Das ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Tatsächlich ist dies aber nahezu ausgeschlossen, denn die Impfung enthält Proteine aus abgetöteten Erregern, also keine vermehrungsfähigen Erreger», so Salzberger. «Richtig ist vielmehr, dass die Impfung manchmal Symptome einer Erkältung wie leichtes Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen nach sich ziehen kann, die aber mit der Schwere von Influenzasymptomen nicht zu verwechseln sind. Schwere Nebenwirkungen der Impfung sind extrem selten.»
Viele sind auch enttäuscht, wenn sie nach einer Impfung doch an einem grippalen Infekt oder einer echten Grippe erkranken. Im Gegensatz zu anderen Schutzimpfungen bietet die Influenza-Vakzine keinen nahezu hundertprozentigen Schutz. Durch die jährlich wechselnde Zusammensetzung auf Basis von Expertenprognosen zu den zirkulierenden Influenza-Stämmen liegt die Wirksamkeit im Optimalfall bei 70 bis 80 Prozent, in der Regel bei 40 bis 60 Prozent. In der Saison 2014/2015 dominierte jedoch ein mutierter Virustyp, sodass die Schutzwirkung nur bei 27 Prozent lag. Auch die individuelle Immunantwort spielt eine Rolle. Eine chronische Erkrankung mit geschwächter Immunabwehr oder auch das Alter verschlechtern das Ansprechen. Für diese Personengruppen kann eine erhöhte Impfdosis angeraten sein. (dh)
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26.10.2016 l PZ
Foto: Fotolia/Ursule