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Generation Y: Keine Zeit und kein Vertrauen für den Arzt

 

Nur 49 Prozent der Deutschen gehen bei gesundheitlichen Problemen zuerst zum Arzt, 6 Prozent zum Apotheker. 17 Prozent setzen zunächst auf das Internet. Das kam bei einer Befragung von 2000 Personen im Alter von 18 bis 70 Jahren im Auftrag des Pharmaunternehmens Stada heraus. Vor allem den Jüngeren zwischen 18 und 29, der sogenannten Generation Y oder Digital Natives, fehlt laut Angaben das Vertrauen in die Mediziner. Nur 36 Prozent von ihnen gehen bei Beschwerden zuerst zum Arzt. Bei den 60- bis 70-Jährigen sind es dagegen 53 Prozent.

 

Vor allem Jüngere denken, der Arzt könne ihnen ohnehin nicht helfen. Andere nennen Zeitmangel und zu lange Wartezeiten als Grund. Die Älteren vertrauen oft mehr der Meinung des Arztes und nehmen zu 87 Prozent die Medikamente bei akuten Erkrankungen exakt wie verordnet ein. Bei den 18- bis 29-Jährigen halten sich nur 64 Prozent an den ärztlichen Rat. Jüngere fragen häufiger erst in der Apotheke nach und holen sich auch häufiger eine Zweitmeinung ein, insgesamt tun dies 63 Prozent der Befragten. Mit Zweitmeinung sind hier nicht nur andere Ärzte, sondern auch Apotheke, Internet und andere Quellen gemeint.

 

«Jüngere Menschen sind es gewohnt, sich im Internet zu informieren. Außerdem treffen sie dort auf ebenfalls Betroffene, die ihnen Antworten auf ihre Fragen geben, und fühlen sich verstanden», erklärt Psychologin Dr. Eva Wlodarek. «Der Austausch erzeugt ein Gemeinschaftsgefühl, das man nicht hat, wenn man als Einzelperson zum Arzt geht.» Der Mediziner Johannes Wimmer meint, dass die junge Generation auch ein stärkeres Vertrauen in die Selbstheilungskräfte des Körpers habe, während sie ihre Zeit als knapp bemessen empfinden. Daher müssten Ärzte ihre Praxisöffnungszeiten flexibler gestalten und sich stärker dem Internet als Informationsplattform widmen, um langfristig Vertrauen und Wertschätzung zurückzugewinnen. (dh)

 

21.10.2016 l PZ

Foto: Fotolia/leungchopan