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Chinolone: FDA nennt Alternativen

 

Nach ihrer Warnung vor einem leichtfertigen Einsatz der Fluorchinolone gibt die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA jetzt Empfehlungen zu Alternativen. Im Fachjournal «JAMA» listet die FDA Antibiotika auf, die bei akuter Sinusitis, akuter Exazerbation einer chronischen Bronchitis oder unkomplizierter Harnwegsinfektion gegeben werden sollten. Zuvor war die Behörde zu der Einschätzung gelangt, dass in diesen Indikationen die Risiken der Fluorchinolone, etwa Entzündungen oder Rupturen von Sehnen, Verwirrtheit und Missempfindungen, den Nutzen überwiegen und diese Antibiotika deshalb nur dann eingesetzt werden sollen, wenn sie alternativlos sind.

 

Zu Sinusitis und Bronchitis erlaubt sich die FDA den Hinweis, dass diese Erkrankungen meistens durch Viren hervorgerufen werden, gegen die Antibiotika bekanntlich nicht wirken. In Fällen bakterieller Genese sind die Verursacher üblicherweise Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae oder Moraxella catarrhalis. Diese sprechen auf eine Therapie mit Amoxicillin, gegebenenfalls unter Hinzunahme von Clavulansäure, an.

 

Als Alternative für Patienten mit Penicillin-Allergie nennt die FDA Doxycyclin, wobei hier steigende Resistenzraten insbesondere bei S. pneumoniae zu beobachten seien. Insofern kämen dann doch auch die Fluorchinolone Levofloxacin und Moxifloxacin bei Penicillin-Allergikern infrage. Eine Monotherapie mit einem Makrolid oder Cotrimoxazol (Trimethoprim/Sulfamethoxazol) sei dagegen aufgrund steigender Resistenzen bei Pneumokokken nicht empfehlenswert.

 

Bei Patienten mit schwerer COPD komme als Erreger einer akuten Bronchitis zusätzlich Pseudomonas aeruginosa in Betracht. Dann solle eine intravenöse Therapie mit zum Beispiel Cefepim oder Piperacillin/Tazobactam erwogen werden.

 

Hauptverursacher unkomplizierter Harnwegsinfekte ist Escherichia coli; andere Enterobakterien spielen nur eine Nebenrolle. Bei nicht schwangeren Frauen ist Cotrimoxazol laut FDA das Mittel der Wahl, allerdings nur solange die lokale Resistenzrate gegen diese Wirkstoffkombi unter 20 Prozent liegt. Nitrofurantoin und eine Einzeldosis Fosfomycin sind Alternativen der ersten Wahl, Amoxicillin/Clavulansäure oder Drittgenerations-Cephalosporine wie Cefpodoxim oder Ceftibuten der zweiten Wahl. In der Schwangerschaft kommen Nitrofurantoin, Amoxicillin oder Cephalosporine infrage, wobei Nitrofurantoin nicht im dritten Trimenon gegeben werden darf. (am)

 

DOI: 10.1001/jama.2016.8383

 

06.10.2016 l PZ

Foto: Fotolia/Alexander Raths