Familie und Beruf: Zeitmangel ist größter Stressfaktor |

Berufstätige Eltern in Deutschland leiden vermehrt unter chronischer Zeitknappheit. Das ergab eine Umfrage unter 1000 Müttern und Vätern im Auftrag des AOK-Bundesverbandes, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Danach beklagt knapp die Hälfte (47 Prozent), dass sie im Alltag durch mangelnde Zeit gestresst ist. Andere starke Belastungsfaktoren wie Finanzknappheit oder psychische Anstrengungen rangieren laut Studie mit jeweils 28 Prozent weit dahinter. Die Zahlen bestätigen frühere AOK-Familienstudien, die seit 2007 regelmäßig durchgeführt werden. Gaben 2010 noch 41 Prozent an, zu wenig Zeit zu haben, so stieg der Anteil 2014 auf 46 Prozent. Und in der aktuellen Erhebung legte dieser Wert nochmals leicht um einen Prozentpunkt zu.
Nach Ansicht des Gesundheitswissenschaftlers Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance veranschaulicht die Studie, «dass die heutige junge Generation von Eltern nicht nur vor neuartigen, sondern vermutlich auch vor größeren Anforderungen an die Bewältigung des Familienalltags steht als frühere Generationen». Die strukturellen Bedingungen hierfür verbesserten sich jedoch nicht im gleichen Ausmaß.
Im Übrigen sei die Belastung der Frauen in Paarfamilien noch um einiges größer als die der Männer. Familienpolitik müsse sich daher flexibler auf die wandelnden Lebensläufe und die sich ändernden individuellen Muster der Lebensführung von modernen Eltern einstellen, fordert Hurrelmann. Denn der größte Teil von Müttern und Vätern ist heute erwerbstätig. Im Durchschnitt kommt die Studie auf einen Wert von 50 Prozent Erwerbstätigen in Vollzeit und 36 Prozent in Teilzeit. Frauen bevorzugen nach wie vor die Erwerbstätigkeit in Teilzeit.
Mit der Belastung gehen Eltern auf verschiedene Weise um. 41 Prozent der Befragten nennen Sport als wichtigsten Ausgleich. Ebenfalls 41 Prozent tanken Kraft, indem sie Hobbys nachgehen wie Lesen oder Freunde treffen. Immerhin 18 Prozent setzen auf bewusste Auszeiten von der Familie. 12 Prozent versuchen, die Organisation des Familienalltags zu optimieren und Pflichten besser aufzuteilen. Jeder Zehnte nutzt gelegentliche Kurzurlaube als Regenerationsstrategie.
01.08.2016 l dpa
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