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Depression: Milnacipran bald auch in Deutschland

 

Mit Milnacipran soll im Sommer ein neues Medikament zur Behandlung der Major Depression bei Erwachsenen auf den deutschen Markt kommen. Der selektive Wiederaufnahme-Hemmer von Serotonin und Noradrenalin (SSNRI) ist kein Unbekannter. Milnacipran ist seit knapp 20 Jahren in Österreich und anderen Ländern als Antidepressivum, in den USA auch für Fibromyalgie-Patienten erhältlich.

 

Das Molekül wird nicht über Cytochrom-P450-Enzyme metabolisiert. Somit seien keine CYP-abhängigen Wechselwirkungen mit anderen Stoffen zu beachten, erklärte der Psychiater Dr. Gabriel Eckermann bei einer Pressekonferenz der Neuraxpharm Arzneimittel GmbH in München. Dies sei wichtig bei Patienten mit Polymedikation. Milnacipran wird überwiegend renal eliminiert mit einer Halbwertszeit von acht Stunden. Für die Praxis bedeutet dies: Die empfohlene Tagesdosis von 100 mg wird in zwei Gaben aufgeteilt. Bei Patienten mit Niereninsuffizienz wird die Tagesdosis je nach Kreatinin-Clearance auf zwei- oder einmal 25 mg reduziert. Bei Leberinsuffizienz sei keine Dosisanpassung nötig, sagte der Psychopharmakologe.

 

Der Wiener Psychiatrieprofessor Dr. Siegfried Kasper stellte einige ältere Studien vor, in denen die Patienten eine deutlich bessere Response unter Milnacipran zeigten als unter selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) wie Fluoxetin und Fluvoxamin. Mehr als 80 Prozent der Responder sprächen innerhalb von vier Wochen an. Kasper stufte Milnacipran in puncto Response und Remission als ähnlich wirksam wie Venlafaxin ein. Die Substanz sei besonders geeignet für depressive Patienten mit Polymedikation, für verlangsamte und psychomotorisch gehemmte Personen, bei vorwiegend körperlichen Symptomen sowie für Patienten, die andere Antidepressiva nicht vertragen oder darauf nicht ansprechen.

 

Man solle mit zweimal 25 mg pro Tag starten und nach einer Woche auf die wirksame Dosis von zweimal 50 mg erhöhen, riet der Arzt. Die zweite Dosis solle der Patient um 14 bis 15 Uhr nachmittags, aber nicht am Abend einnehmen. (bmg)

 

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24.06.2016 l PZ

Foto: Fotolia/Dundanim