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ARMIN: Medikationsmanagement am Start

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Am 1. Juli geht es los: Dann startet mit dem Medikationsmanagement auch das dritte Modul der Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN). Wie die Vertragspartner, die AOK Plus sowie die kassenärztlichen Vereinigungen (KV) und Apothekerverbände in Sachsen und Thüringen, heute in Berlin bekannt gaben, regelt das Modellprojekt die koordinierte Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker auf elektronischem Weg. Ziel ist es, die Arzneimitteltherapie von Patienten, die mindestens fünf verschreibungspflichtige Arzneimittel gleichzeitig einnehmen müssen, sicherer zu machen.

 

Allein bei der AOK Plus betrifft das rund 300.000 Patienten. Herzstück dieser Zusammenarbeit ist dabei ein elektronisch gestützter Medikationsplan, der eine Gesamtübersicht über alle vom Patienten eingenommenen Arzneimittel geben soll – darunter auch verschreibungsfreie Mittel zur Selbstmedikation. Arzt und Apotheker prüfen dabei gemeinsam die Medikation auf Wechselwirkungen und Unverträglichkeiten. Der Arzt passt den Plan dann dementsprechend an.

 

Zunächst können sich ab 1. Juli Patienten der AOK Plus einschreiben, ab 2017 sollen bundesweit auch andere Krankenkassen dem Projekt für mehr Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) beitreten können. Mit der gemeinsamen elektronisch gestützten Betreuung der Patienten durch Arzt und Apotheker übernimmt ARMIN eine Vorreiterrolle für die im E-Health-Gesetz vorgesehenen Regelungen zur besseren digitalen Vernetzung im Gesundheitswesen. Dabei ist das Projekt mit seinem elektronischen Medikationsplan schon einen Schritt voraus, sieht das Gesetz doch ab 1. Oktober zunächst noch die Papiervariante vor. Auch die Zuständigkeiten von Arzt und Apotheker sowie die Prozessbeschreibungen sind bei ARMIN umfassender definiert.

 

«Arzt und Apotheker arbeiten eng zusammen und stellen so gemeinsam auf dem geschützten Server eine möglichst vollständige Liste der aktuellen Medikation zusammen», erläuterte die Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen, Annette Rommel (Foto). Der Hausarzt könne diesen dann überarbeiten und aktualisieren. Anschließend könne der Apotheker wieder darauf zugreifen und den Wirkstoffen die entsprechenden Medikamente zuordnen. Den endgültigen Plan erhalte der Patient dann zusammen mit den Medikamenten in der Apotheke.

 

Die Umsetzung des dritten Moduls war der schwierigste und langwierigste Part von ARMIN. 2014 waren zunächst die Wirkstoffverordnung und der Medikationskatalog an den Start gegangen. Der Start des Medikationsmanagements, ursprünglich für 2015 vorgesehen, verzögerte sich jedoch um ein Jahr. Die Schaffung einer sicheren und anwenderfreundlichen digitalen Lösung zur Patientenbetreuung gestaltete sich als sehr anspruchsvoll und langwierig, betonte der Vorstandsvorsitzende des Thüringischen Apothekerverbands, Stefan Fink. Doch nach einer dreistufigen Prüfung der Umsetzung inklusive Pilotphase mit 80 Ärzten und Apothekern soll nun alles sicher laufen, versicherten die Beteiligten.

 

Datensicherheit hat dabei oberste Priorität. Nur die zur Durchführung des Medikationsmanagements zwingend erforderlichen Daten würden zwischen Arztpraxis und Apotheke über den extern dreifach gesicherten ARMIN-Server im sicheren Netz der KVen ausgetauscht, betonte Fink. Und ausschließlich der vom Patienten zur Betreuung ausgewählte jeweilige Arzt und Apotheker hätten auf diese Daten Zugriff. Die Verantwortlichen sind sicher, dass das beantragte Gütesiegel des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein das hohe Niveau der Datensicherheit bestätigt. (et)

 

28.06.2016 l PZ

Foto: PZ/André Wagenzik