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Crystal Meth: Modedroge breitet sich aus

 

Kristallines Methamphetamin, auch bekannt als Crystal Meth, C oder Ice, wird in Deutschland in zunehmendem Maß konsumiert. Das gilt insbesondere für die grenznahen Gebiete zu Tschechien und Polen, aber mehr und mehr auch in Großstädten außerhalb dieser Regionen. Das wurde bei der Jahrestagung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), in Berlin deutlich.

 

«Die Konsumenten erleben einen regelrechten Größenwahn, alles scheint zu gelingen, sie verspüren weder Hunger noch Müdigkeit», beschrieb Mortler die Wirkung der Droge. Doch diese nehme die Konsumenten sehr schnell in den Griff, sodass es bald nicht mehr möglich scheine, den Alltag ohne Crystal Meth zu bewältigen. Alpträume, Depressionen, starker Juckreiz bis hin zum Gefühl, dass Tiere unter der Haut krabbeln, seien die Kehrseite des anfänglich erlebten Hochgefühls. Hinzu kommen häufig Psychosen und Gewaltausbrüche, auch ein riskantes Sexualverhalten, sogenannter Chem Sex, ist möglich. «Crystal Meth verspricht am Anfang viel und hält am Ende nichts», fasste Mortler zusammen.

 

Die Herstellung von Crystal Meth ist einfach und erfolgt vielfach in Küchenlabors. Mögliche Ausgangsstoffe sind Chlorephedrin, Ephedrin oder Pseudoephedrin – Substanzen, die beispielsweise in Erkältungsmitteln als Schleimhaut abschwellende Komponente enthalten sein können. Crystal Meth kann entweder geschluckt, inhaliert, geraucht oder injiziert werden, wobei die letzten beiden Applikationswege am gefährlichsten sind.

 

Über Möglichkeiten der Prävention und Therapie ist in Deutschland noch wenig bekannt. Von der klassischen Suchthilfe fühlen sich Abhängige meist nicht angesprochen, weil diese auf andere Zielgruppen wie Opiat- oder Alkohol-Abhängige ausgerichtet ist. Bei der Tagung berichteten Suchtexperten aus den USA und Australien, wo Crystal Meth schon länger ein Thema ist, von ihren Erfahrungen.

 

Demnach kommt es für eine erfolgreiche Entwöhnung entscheidend darauf an, die Patienten langfristig in der Therapie zu halten. «Mit Crystal Meth aufzuhören, ist vergleichsweise einfach, sich dauerhaft davon fernzuhalten, dagegen sehr schwer», sagte Professor Dr. Steve Allsop vom nationalen Drogenforschungsinstitut in Perth, Australien. Betroffene bräuchten daher eine gute Langzeitbetreuung. Eine Schwierigkeit dabei ist, dass es für Crystal Meth kein geeignetes Substitutionsmittel gibt, wie beispielsweise Methadon für Heroin-Abhängige.

 

In jedem Fall sollten entsprechende Programme in Deutschland bald auf den Weg gebracht werden, denn das Problem wird sich weiter ausweiten. Davon zeigte sich Professor Dr. Richard A. Rawson von der University of California in Los Angeles überzeugt. «In den USA war Crystal Meth zunächst auch lediglich ein lokales Thema in Kalifornien, wo es bereits in den 60er-Jahren von Motorrad-Gangs und Lkw-Fahrern konsumiert wurde. Mittlerweile hat es sich nahezu im gesamten Land ausgebreitet. » (am)

 

06.11.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Creativa