Schweres Asthma: Was tun, wenn nichts hilft? |

Etwa 15 bis 20 Prozent der Asthma-Patienten sprechen nicht ausreichend auf eine Standardtherapie an und leiden trotz hoch dosierter Therapie an asthmatischen Beschwerden. Dann müsse man zwischen einem schwierigen und einem schweren refraktären Asthma unterscheiden, sagte jetzt Dr. Rüdiger Sauer, Ulm, bei einem Forum des Lungeninformationsdienstes des Helmholtz-Zentrums in München.
Der Internist sprach von einem «schwierigen» Asthma, wenn mangelnde Compliance, persistierende Allergene oder unbehandelte Komorbiditäten den ständigen Symptomen zugrunde liegen. Die möglichen Begleiterkrankungen können vielfältig sein. Sauer nannte unter anderem Schlafapnoe, gastro-ösophageale Refluxkrankheit, Atemwegsinfekte, chronisch-obstruktive Bronchialerkrankung (COPD), chronische Sinusitis und Rauchen. Als verstärkende Faktoren könnten Arzneimittel, zum Beispiel Betablocker, auch in Augenarzneimitteln, ACE-Hemmer und nicht-steroidale Antiphlogistika (NSAR), wirken. Sehr wichtig sei zudem, die richtige Anwendung der Inhalativa zu überprüfen.
Nur bei 3 bis 5 Prozent der Patienten liege ein «schweres refraktäres Asthma» vor, berichtete der Pneumologe. Das bedeutet, dass die Erkrankung trotz hoch dosierter Therapie und guter Compliance, Ausschluss von Differenzialdiagnosen und Ausschalten von Triggerfaktoren nicht unter Kontrolle ist. Dann benötigten die Patienten zusätzliche Arzneimittel, sagte Sauer. Der Leukotrien-Antagonist Montelukast habe den Vorteil der peroralen Einnahme und wirke auch antiallergisch. Zudem ist er laut Sauer auch bei NSAR getriggerten Beschwerden, dem «Aspirin-Asthma» wirksam. Das aus der COPD-Therapie bekannte Tiotropium sei vor allem für Patienten mit schwerer bronchialer Hyperreagibilität und hohem Verbrauch an inhalativen Beta-Mimetika hilfreich. Der Anti-IgE-Antikörper Omalizumab wird bei allergischem Asthma und eosinophiler Entzündung eingesetzt. Das COPD-Medikament Roflumilast werde off-label auch bei refraktärem Asthma verwendet.
Für das nächste Jahr erwartet Sauer die Zulassung eines neuen Antikörpers gegen Interleukin-5. Il-5 ist einer der entscheidenden Immunbotenstoffe im entzündlichen Geschehen bei Asthma bronchiale. In der Forschung seien auch weitere Antikörper, zum Beispiel gegen IL-9 und -13. (bmg)
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22.10.2015 l PZ
Foto: Fotolia/Sebastian Kaulitzki