Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Insektenstiche: An allergische Reaktionen denken

 

Die Gefahr schwerer allergischer Reaktionen auf Stiche von Wespen oder Bienen sollte nach dem Rat von Medizinern nicht unterschätzt werden. Zwar seien die Folgen eines Stichs für die allermeisten Menschen harmlos, falls aber jemand allergisch reagiere, sei schnelle Hilfe nötig, sagte heute Gösta Lotz von der Universitätsklinik Frankfurt. Dann könne nicht nur die Stelle um den Stich anschwellen und schmerzen, sondern das gesamte Immunsystem sei betroffen. Treten Atemnot, Schwindel, Herzrasen, Übelkeit oder Bewusstlosigkeit auf, rät Lotz, «sofort die 112 zu rufen». Das gelte auch, wenn jemand einen Stich in den Hals oder in den Mund abbekommen habe. In der Regel treten schwere Folgen in den ersten zwei Stunden nach dem Stich auf.

 

Bis zu drei Millionen Menschen in Deutschland seien gegen Insektenstiche allergisch, sagte Allergologin Eva Valesky. Das Statistische Bundesamt erfasse rund 20 Todesfälle pro Jahr nach Insektenstichen. Jedes Jahr werden rund 150 Patienten mit heftigen Reaktionen nach Insektenstichen in die Notfallambulanz der Uniklinik gebracht. In dieser Woche seien es bisher fünf gewesen, sagte Valesky. Wegen des sommerlichen Wetters gebe es mehr Insekten als in anderen Jahren.

 

Ob man allergisch gegen Insektengift ist, zeige sich erst, wenn man gestochen wurde. Vorher abklären lasse sich das nicht. Menschen, die einmal schwere Reaktionen auf Stiche hatten, bekommen ein Notfall-Set, mit dem sie sich selbst sofort helfen können. Möglich ist auch die Hyposensibilisierung, bei der dem Körper über mehrere Jahre der allergieauslösende Stoff gezielt gespritzt wird. Diese Prozedur hilft aber nicht immer auf Dauer.

 

«Nicht jeder Wespenstich braucht den Notarzt», sagte Lotz. Örtlich begrenzte Reaktionen des Körpers wie eine Rötung und schmerzhafte Schwellung seien gut selbst zu behandeln, sagten die Mediziner. Kühlende Umschläge und cortisonhaltige Cremes könnten helfen. Mit Wespen gibt es nach Erfahrungen der Mediziner häufiger Probleme als mit Bienen. Sie seien aggressiver, und «Wespen kommen uns häufiger ins Gehege», sagte Valesky. Sie würden von Essen angelockt, denn sie brauchten Proteine. Bienen beschränkten sich auf Blüten.

 

Dass Wespen von Natur aus aggressiv sind, glauben Naturschützer nicht. Sie raten zur Gelassenheit bei der Begegnung mit Insekten. Hektik sei der größte Fehler. Wespen verfolgten immer eine Abwehr- und nie eine Angriffsstrategie, sagt Berthold Langenhorst vom Naturschutzbund Nabu. «Wenn man sich ruhig verhält, passiert gar nichts.»

 

30.07.2015 l dpa

Foto: Fotolia/Alle