Neue Leitlinie: Antibiotika bei Durchfall sparsam einsetzen |

Auch wenn viele plötzliche Durchfallerkrankungen bakteriell bedingt sind, sollten Ärzte Antibiotika nur zurückhaltend verschreiben. Das empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in einer neuen Leitlinie. «Selbst bei Kenntnis des Erregers ist eine Antibiotikabehandlung häufig nicht sinnvoll, da sie die Dauer der Erkrankung kaum verkürzt», erläuterte Professor Dr. Andreas Stallmach vom Universitätsklinikum Jena und einer der beiden Leitlinienkoordinatoren der DGVS. Durchschnittlich dauere eine Durchfallerkrankung drei bis vier Tage und verschwände dann von selbst.
Bei Infektionen mit Campylobacter, Yersinien und Escherichia coli sollte laut Leitlinie in der Regel auf Antibiotika verzichtet werden. Selbst bei EHEC-Bakterien sei nicht sicher, dass Antibiotika den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen, sagte Professor Dr. Ansgar Lohse vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der gemeinsam mit Stallmach die Leitlinie koordiniert hat. Indiziert sind Antibiotika dagegen bei Shigellen, da häufig schwere Erkrankungsverläufe auftreten. «Allerdings sind Shigellen oft gegen Antibiotika resistent, sodass eine Resistenztestung erfolgen sollte», empfiehlt Lohse. Auch bei Salmonellen und in Ausnahmefällen bei Reisedurchfällen könne eine Antibiose sinnvoll sein, insbesondere bei einer Bakteriämie, wenn die Bakterien also in die Blutbahn gelangen.
Manchmal kann eine Antibiotika-Behandlung bei Durchfall auch kontraproduktiv sein, da sie die natürliche Darmflora zerstört. Im Krankenhaus können sich Patienten dann mit dem Problemkeim Clostridium difficile infizieren, der schwere Diarrhö verursacht.
Durchfallerkrankungen seien keineswegs immer harmlos, betonte Lohse. Gerade ältere oder immungeschwächte Patienten könne eine Gastroenteritis stark schwächen. Patienten mit blutigen Durchfällen, einem schweren Krankheitsbild, Fieber höher als 38,5 Grad Celsius oder starkem Flüssigkeitsmangel sollten immer einen Arzt aufsuchen. In leichteren Fällen kann Loperamid verabreicht werden. Der Flüssigkeitsverlust kann mit Salz- oder Glucoselösung aus der Apotheke ausgeglichen werden. Fruchtsäfte, Cola und Leitungswasser eigneten sich dagegen nicht als Hausmittel, so die Experten. (dh)
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02.06.2015 l PZ
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