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Klinische Pharmazie: Wie alles begann

 

Der Begriff Klinische Pharmazie (Clinical Pharmacy) ist mehr als 70 Jahre alt. Er geht auf ein Experiment des College of Pharmacy der Universität Washington zurück, ein Apothekenpraktikum ins Pharmaziestudium zu integrieren. Darauf wies Professor Dr. Axel Helmstädter vom Govi-Verlag beim Fortbildungskongress Pharmacon in Meran hin. Wie der Pharmaziehistoriker weiter ausführte, entstand in den USA der 1960er-Jahre «Clinical Pharmacy» als Bewegung, die einen Wandel des beruflichen Fokus des Apothekers vom Produkt hin zum Patienten propagierte.

 

«Anders als der Name es vermuten lässt, hat die Klinische Pharmazie deutliche Wurzeln in der Offizinapotheke», betonte Helmstädter. Als Beispiel dafür führte er das sogenannte Office-based Pharmacy Concept des US-amerikanischen Apothekers Eugene White an. Er forderte therapeutische Verantwortung und legte schon vor Jahrzehnten für jeden Patienten eine Medikationsdatei an.

Wie Helmstädter informierte, machte man sich in den USA bereits in den 1970er-Jahren Gedanken über eine Umorganisation der pharmazeutischen Ausbildung. Nach den Vorschlägen einer staatlichen Kommission wurden dem Referenten zufolge Laborpraktika nahezu vollständig abgeschafft. Die entstandenen Freiräume wurden mit Anatomie, Physiologie und therapeutischen Fächern gefüllt. Zudem holte man erfahrene Apotheker als Teacher/Practitioner an die Universitäten, um möglichst schnell eine praxisnahe Ausbildung gewährleisten zu können.

In Deutschland kam durch die Änderung der Approbationsordnung für Apotheker im Jahr 2001 das Fach Klinische Pharmazie als fünftes Prüfungsfach im Zweiten Staatsexamen hinzu. 1999 wurde an der Universität Bonn die erste deutsche Hochschulprofessur für Klinische Pharmazie besetzt. Deutschlandweit folgten Helmstädter zufolge zwölf weitere. An neun von 22 Pharmaziestandorten gibt es aber bis dato keine Professur in diesem Fach.

Angesichts der Tatsache, dass angelsächsische Länder schon bei der Entwicklung der Klinischen Pharmazie Deutschland um einige Jahre voraus waren, könnte Helmstädter zufolge ein Blick auf diese Staaten auch lohnen, wenn man sich die Frage stellt, wie es mit dem Wandel des apothekerlichen Berufsbilds weitergeht. Impfungen in der Apotheke oder begrenzte Verschreibungsbefugnisse für Apotheker sind dort jedenfalls schon Realität geworden. (ss)

 

04.06.2015 l PZ

Foto: PZ/Alois Müller