Fallbericht: Leberversagen unter Methylphenidat |

Von einem Fall akuten Leberversagens unter Einnahme des ADHS-Mittels Methylphenidat berichtet die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) im «Deutschen Ärzteblatt». Dabei geht es um einen 16-jährigen Jungen ohne somatische Vorerkrankungen, der knapp zwei Jahre aufgrund eines Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Syndroms (ADHS) mit Methylphenidat (Concerta® 54 mg Retard-Tabletten) behandelt wurde. Ansonsten nahm er keine weiteren Medikamente regelmäßig ein. Etwa ein halbes Jahr nach Therapiebeginn waren die Leberwerte noch unauffällig. Nach knapp anderthalb Jahren kam es jedoch zu Beschwerden und Leistungsminderung und auch die Leberwerte zeigten einen Organschaden an. Der Patient erhielt schließlich eine Lebertransplantation.
Weder Viren und Substanzmissbrauch noch Autoimmunerkrankungen oder Stoffwechselstörungen konnten die Ärzte feststellen. Daher nehmen sie die Methylphenidat-Einnahme als Ursache der schweren Leberschädigung an. Die Häufigkeit solcher medikamenteninduzierten Schäden durch Methylphenidat schätzt die AkdÄ als sehr selten (<1/10.000) ein. Unter den 1368 Meldungen aus dem deutschen Spontanmeldesystem zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen des Wirkstoffs fänden sich etwa 100 zu Nebenwirkungen auf die Leber, meist Erhöhungen verschiedener Leberwerte und in Einzelfällen unspezifische Leberschädigungen oder -entzündungen.
Die AkdÄ empfiehlt den behandelnden Ärzten, auf Anzeichen von Hepatotoxizität unter Methylphenidat-Einnahme zu achten. ADHS-Patienten mit vorbestehenden Lebererkrankungen sollten regelmäßig klinisch untersucht und ihre Leberwerte bestimmt werden. Auch aufgrund anderer möglicher Nebenwirkungen wie psychiatrische Erkrankungen und kardiovaskuläre Ereignisse mahnt die AkdÄ, das ADHS-Mittel streng nach Fachinformation zu verordnen, alle Kontraindikationen einzuhalten und Überdosierungen zu vermeiden. (dh)
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13.02.2015 l PZ
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