Pharmazeutische Zeitung online

Pille danach: Ab Mitte März rezeptfrei in der Apotheke

Datenschutz bei der PZ

Das Notfallkontrazeptivum Ellaone® (Ulipristalacetat) soll ab 15. März rezeptfrei in den Apotheken erhältlich sein. Nach Angaben des Herstellers HRA Pharma hat man sich mit dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) darauf geeinigt, die neuen Packungen im OTC-Design erst nach Anpassung der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) auf den Markt zu bringen. Ursprünglich hatte das Unternehmen dies für Mitte Februar geplant. So aber hätten jetzt alle Seiten genügend Zeit, offene Fragen wie die Beratungsauflagen für Apotheker oder auch das Thema Kostenerstattung zu regeln, heißt es.

 

Die geänderte Verordnung sieht vor, sowohl Ellaone als auch Notfallkontrazeptiva mit den Wirkstoff Levonorgestrel (LNG) aus der Rezeptpflicht zu entlassen. Der entsprechende Entwurf liegt dem Bundesrat bereits vor, dieser wird am 6. März darüber beraten. Eine Zustimmung gilt als sicher, da sich die Länderkammer schon früher für eine Freigabe der Pille danach ausgesprochen hatte. Mit einer umgehenden Verkündung im Bundesgesetzblatt soll die Reform dann schnell in Kraft treten. Damit könnte auch die Apotheken-Software entsprechend rechtzeitig zum 15. März an den OTC-Switch angepasst werden. Die Apotheker hatten in ihrer Stellungnahme zum AMVV-Entwurf um eine Beachtung der Stichtage für die monatlichen Software-Aktualisierungen gebeten. Diese erfolgt stets zum 1. und zum 15. eines Monats.

 

Infolge der Entscheidung der EU-Kommission vom 7. Januar 2015, das Präparat Ellaone aus der Verschreibungspflicht zu entlassen, leitete das BMG nach eigenen Angaben «schnellstmöglich» eine Anpassung des deutschen Rechts für alle derzeit erhältlichen Notfallkontrazeptiva mit Ulipristal und Levonorgestrel ein. Für die Apotheker in Deutschland ist die Situation bislang allerdings sehr undurchsichtig, da es seitens des BMG keine rechtliche Klarheit gibt, ob Ellaone mit dem Beschluss der EU-Freigabe auch hierzulande ab sofort ohne Rezept abgegeben werden darf oder aber eine Änderung der AMVV abzuwarten ist.

 

Unklar ist bislang auch die Frage, ob mit dem Wegfall der Verschreibungspflicht Notfallkontrazeptiva für unter 20-Jährige weiterhin von den Kassen erstattet werden. Bislang ist hier eine Erstattung an eine ärztliche Verordnung gebunden. Dies bleibt wohl auch weiterhin so. Nach Angaben des BMG haben sich die Koalitionsfraktionen bereits geeinigt, einen entsprechenden Entwurf, der eine Erstattung wie bisher für unter 20-Jährige bei Verordnung durch den Arzt vorsieht, in ein laufendes Gesetzgebungsverfahren einzubringen. Damit könnte auch diese Regelung kurzfristig umgesetzt werden, heißt es.

 

Zu klären bleibt, welche Beratungskriterien der Apotheker bei der Abgabe der Pille danach erfüllen muss. Hier laufen nach Angaben des BMG bereits Gespräche mit Frauenärzten, Apothekern und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat derweil eine Gesetzentwurf zum Thema eingebacht, der heute in erster Lesung im Bundestag diskutiert wird. Mit Bezug auf den Verordnungsentwurf des BMG verweist die Fraktion unter anderem darauf, dass Patienten eine Beratung auch ablehnen können. Deshalb schlägt sie vor, eine Entscheidungshilfe zu erstellen, die einerseits die Apotheker bei der Beratung unterstütze und andererseits der Patientin, falls diese keine Beratung wünscht, zur informierten Entscheidungsfindung ausgehändigt werden könne. (et)

 

Lesen Sie dazu auch

Wirkstoffprofil Ulipristalacetat (Ellaone® / 2009) in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe


Mehr zum Thema Verhütung

 

29.01.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Daniel Ernst