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Frauenärzte zu Ellaone: Apothekenberatung «problematisch»

 

Deutsche Frauenärzte haben mit Blick auf die geplante Freigabe der Pille danach erhebliche Bedenken geäußert. Zwar scheine die Rezeptfreiheit von Ulipristalacetat und Levonorgestrel «aus pharmakologischer Sicht möglich», heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme, die der Berufsverband der Frauenärzte, die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie die Deutsche Gesellschaft für gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin herausgegeben haben. Dennoch sei die Beratung bei einem Frauenarzt «die bewährte, nachhaltige und damit optimale Lösung».

 

Vergangene Woche hatte die EU-Kommission das Ulipristal-haltige Präparat Ellaone® aus der Rezeptpflicht entlassen und war damit einer Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur aus dem November gefolgt.  Das Bundesministerium für Gesundheit hatte daraufhin angekündigt, dem Beschluss aus Brüssel zu folgen und darüber hinaus aus neben Ulipristal auch Levonorgestrel freigeben zu wollen. In den meisten Ländern gibt es dieses Notfallverhütungsmittel bereits ohne Rezept. Deutschland ist eine der wenigen Ausnahmen.

 

Die Frauenärzte sorgen sich vor allem um die Beratung der betroffenen Frauen. «Die Rezeptpflicht und die frauenärztliche Beratung haben dazu beigetragen, dass Deutschland in Europa und weltweit mit seiner niedrigen Rate an Schwangerschaftsabbrüchen einen Spitzenplatz einnimmt», schreiben die Verbände. Eine medizinisch kompetente und vertrauliche Beratung in der Apotheke sei «problematisch und in den meisten Fällen unmöglich».

 

So gelte es zu klären, ob die Einnahme der Pille danach überhaupt notwendig und welches Präparat im Einzelfall das geeignete ist. Darüber hinaus müssten die Frauen über mögliche Nebenwirkungen informiert und darüber aufgeklärt werden, wie im weiteren Zyklus verhütet werden muss, um auch nach der Verschiebung des Eisprungs eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Auch die Beratung über sexuell übertragbare Krankheiten dürfe nicht zu kurz kommen.

 

Darüber hinaus weisen die Gynäkologen auf die ungeklärte Frage der Kostenübernahme für Frauen unter 20 Jahre hin. Bislang zahlen die Krankenkassen Notfallverhütungsmittel für sie. «Wenn junge Frauen künftig für die Pille danach in der Apotheke bezahlen müssten, würde das die Situation deutlich verschlechtern.» Teenager könnten nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr den Kauf der Pille danach aus Kostengründen scheuen, so die Verbände. Darüber hinaus vermuten die Mediziner, dass Frauen «neben den Kosten für das Medikament künftig auch für Beratung zahlen müssen, während sie bisher Bestandteil des Leistungskatalogs der Krankenkassen waren». Die Ärzte verweisen dabei auf das Beispiel der Schweiz. Dort können Apotheker bei Abgabe der Pille danach eine Beratungsgebühr erheben.

Trotz ihrer Bedenken zeigen sich die Frauenärzte aber zu Gesprächen bereit, um «gemeinsam mit den Apothekern eine Beratungslösung zu erarbeiten und damit eine verantwortungsvolle Rezeptfreiheit für die beiden Arzneimittel zur Notfallverhütung vorzubereiten». 

 

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte bereits angekündigt, mit Apothekern, Frauenärzten und Vertretern aus dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zusammenkommen zu wollen, um verbindliche Kriterien für die Beratung zu entwickeln. (sch)

 

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Wirkstoffprofil Ulipristalacetat (Ellaone® / 2009) in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe.
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12.01.2015 l PZ

Foto: Fotolia/PhotoCD