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Küssen: Meine Bakterien sind deine Bakterien

Bei einem Kuss von einer Länge von zehn Sekunden wechseln etwa 80 Millionen Bakterien den Besitzer. Was niemand so wirklich wissen wollte, haben jetzt niederländische Forscher ermittelt. Paare, die sich häufig genug küssen, haben somit eine sehr ähnliche Mundflora. Der Mikrobiologe Professor Dr. Remco Kort und seine Kollegen von der niederländischen Forschungsorganisation TNO ließen 21 Paare Fragebögen zu ihrem Kussverhalten und ihrer Kussfrequenz ausfüllen. Zudem nahmen sie ihnen Speichelproben und Zungenabstriche ab, um aus diesen die Zusammensetzung des oralen Mikrobioms zu ermittelten.

 

Die Daten zeigten, dass Paare, die sich mindesten neunmal täglich intensiv küssten, eine sehr ähnliche Zusammensetzung der Bakterien in Speichel besaßen. Das berichten die Forscher im Fachjournal «Microbiome». Auf der Zunge war die Ähnlichkeit weniger stark ausgeprägt, was zeigt, dass für die Zusammensetzung des oralen Mikrobioms noch weitere Faktoren wie Umwelt und Genetik eine Rolle spielen.

Zudem ließen die Forscher die Paare im Dienste der Wissenschaft küssen: Zuvor erhielt einer der Partner Markerbakterien wie Lactobazillen oder Bifidobakterien in Form eines probiotischen Drinks. Nach einem Kuss von zehn Sekunden maßen die Wissenschaftler, wie viele der Bakterien auf den Partner übertragen wurden. Daraus errechneten sie, dass bei einem intimen Kuss bis zu 80 Millionen Bakterien zwischen den Partnern ausgetauscht werden. (ch)

DOI: 10.1186/2049-2618-2-41

 

25.11.2014 l PZ

Foto: Fotolia/Claudia Balasoiu