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Grippe: Impfen lassen oder auskurieren

 

Die niedrigen Grippe-Impfraten in Deutschland sind für den Virologen Professor Dr. Stephan Ludwig ein Erziehungs- und Aufklärungsproblem anlässlich eines Treffens von Grippeforschern an der Universität Münster. «Die Grippeimpfung ist effektiv, sicher und immer noch die beste Möglichkeit, sich vor einer Grippeinfektion zu schützen», sagte Ludwig der Nachrichtenagentur dpa. Dass sich anders als beispielsweise in den Niederlanden nur 40 bis 45 Prozent der Deutschen gegen das Virus impfen lassen, liege vielmehr an der unterschiedlichen Sozialisierung. «Auch gibt es klare Unterschiede zwischen Ost und West in Deutschland. Selbst in Berlin lässt sich dieser Unterschied am ehemaligen Mauerverlauf erkennen.» Die Ostdeutschen lassen sich weit häufiger impfen. Dies wird mit der Impfpflicht in der DDR erklärt.

 

Die Weltgesundheitsorganisation strebt eine Durchimpfungsrate von 75 Prozent an. Eine Ausrottung wird aufgrund der hohen Mutationsraten und den vielseitigen Reservoirs der Influenzaviren in verschiedenen Tierarten nicht möglich sein.

 

«Grippepatienten sollten auf jeden Fall zum Arzt gehen und sich richtig auskurieren», empfiehlt Ludwig. «Wer zum Beispiel zu früh wieder arbeitet, riskiert, sich Komplikationen wie eine Lungen-Entzündung oder einen entzündeten Herzmuskel einzufangen. Viele der Grippe-Toten sterben nicht direkt durch das Virus, sondern an Folgeerkrankungen.»

 

Virologen arbeiten derzeit an neuen Grippemedikamenten. «Unser Ansatz ist, Teile der Zelle zu nutzen, um dem Virus keine Lebensgrundlage zu bieten», so Ludwig. «Wir sind mit einem ersten Wirkstoff bei den klinischen Studien in der Phase II, bis zur Marktreife aber dauert es noch einige Jahre.» Da der Arzneistoffkandidat an grundlegenden Mechanismen der Influenzaviren angreift, sollen diese weniger leicht Mutationen bilden können.

 

22.09.2014 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/detailblick