Deutscher Zukunftspreis: Lupinenmilch und Ionenströme |

Gibt es demnächst Lupinen- statt Kuhmilch? Forschern des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising ist es gelungen, den bitteren und grasigen Beigeschmack aus Schalen, Öl und Fasern der Blauen Süßlupine (Lupinus angustifolius) zu entfernen. Dazu nutzen sie ein mehrstufiges Verfahren mit Kohlendioxid und starkem Druck. Das Team forschte seit Jahren an der pflanzlichen Alternative zu tierischen und auch zu Sojaprodukten. 2010 gründete sich daraus das Unternehmen Prolupin in Mecklenburg-Vorpommern.
«Es war unsere Aufgabe, einen einheimischen Rohstoff zu finden», sagte der Prolupin-Gesellschafter Peter Eisner. Sojaprodukte stünden häufig in der Kritik, da für den Anbau Regenwälder abgeholzt und die Bohnen erst über weite Wege importiert werden müssen. Viele störe auch der Geschmack. Soja bringe ein «muffiges, bohniges, bitteres Aroma» mit, so Eisner. Mit dem neuen Verfahren hergestellte Lupinenprodukte dagegen schmecken neutral. Auch sind Lupinensamen äußerst einweißreich. Seit 2011 gibt es nun bereits ein Speiseeis namens Lupinesse. Anfang 2015 sollen Eisner zufolge Milch, Joghurt, Brotaufstrich und Mayonnaise folgen. 250 Tonnen Grundstoff könne Prolupin im Jahr herstellen, genug für 12 Millionen Liter Lupinen-Milch.
Mit ihrem Projekt ist das Fraunhofer-Team nun für den Deutschen Zukunftspreis 2014 nominiert. Die deutschen Landwirte, die Lupinen bislang einzig zur Bodenverbesserung nutzen, sind allerdings noch nicht überzeugt. Es gebe noch erheblichen Forschungsbedarf, sagte der Sprecher des Deutschen Bauernverbands, Michael Lohse. Lupinen brächten nicht unbedingt die erwartete Ernte. Die Erträge seien «nicht hoch und nicht stabil».
Mit im Rennen um den diesjährigen Zukunftspreis ist auch ein Projekt von Forschern der Ludwig-Maximilians-Universität in München zur schnelleren und besseren Entwicklung von Medikamenten. Die Wissenschaftler perfektionierten die 1991 mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Patch-Clampo-Technik, bei der anhand von Ionenströmen an Zellmembranen die Wirkung von Molekülen auf bestimmte Zellen festgestellt werden kann. Früher konnten nur einzelne Zellen hintereinander gemessen werden. Ein Modul ermöglicht nun das Messen an 384 Zellen, zwei Module an 768 Zellen. «Wir können in einer Stunde mehrere Tausend Messungen machen, und 20.000 an einem Tag», sagt Projektsprecher Niels Fertig. Das sei eine enorme Steigerung und bringe eine drastische Reduzierung der Kosten. Früher kostete die Messung zehn Euro, nun seien es 20 Cent. «Das ist für den kommerziellen Erfolg ganz wesentlich», sagt Fertig. «Wir haben schon die ersten Kunden, die das dezidiert gekauft haben für die Stammzellenforschung.»
Der Zukunftspreis gehört zu den bedeutendsten Wissenschaftspreisen in Deutschland. Er ist mit 250.000 Euro dotiert und wird in diesem Jahr am 19. November durch Bundespräsident Joachim Gauck verliehen.
19.09.2014 l PZ/dpa
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