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Was ist ein Medikationsmanagement?

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Was drin sein muss, wenn Medikationsmanagement draufsteht, hat jetzt die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in einem Grundsatzpapier definiert. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt stellte es heute in Berlin in einen berufspolitischen Kontext. «Die Definition wichtiger Begriffe rund um das Medikationsmanagement ist der logische nächste Schritt in einem Prozess, der uns schon seit zehn Jahren begleitet», sagte Schmidt. Beispiele aus anderen Ländern, in denen Apotheker schon länger mehr Verantwortung für die Optimierung der Arzneimitteltherapie ihrer Patienten übernehmen, hätten hierzulande sowohl eine öffentliche Diskussion als auch eine Debatte im Berufsstand selbst ausgelöst. Mit der Erarbeitung des Perspektivpapiers zur Apotheke 2030 und dessen Verabschiedung durch die ABDA-Mitgliederversammlung sei klar, dass dies die Richtung sei, in die sich die Apotheker in Deutschland bewegen wollten.

 

«Jetzt wollen wir Dienstleistungen wie die Medikationsanalyse und das Medikationsmanagement in der Fläche implementieren», sagte Schmidt. Und als gute Naturwissenschaftler begännen Apotheker hier zunächst mit einer Begriffsdefinition. Medikationsanalyse und Medikationsmanagement bauen dabei aufeinander auf. Laut Grundsatzpapier ist eine Medikationsanalyse die strukturierte Analyse der aktuellen Gesamtmedikation eines Patienten. Das Medikationsmanagement geht darüber hinaus. Es beinhaltet eine kontinuierliche Betreuung zur fortlaufenden Verbesserung der Arzneimitteltherapie durch ein interdisziplinäres Team, dem neben dem Apotheker selbstverständlich auch der Arzt angehört.

 

«Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Ärzten die Arzneimitteltherapiesicherheit zu verbessern», sagte Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer. Eine Verletzung der Therapiehoheit der Ärzte durch Apotheker sei dabei nicht zu befürchten: «Wir Apotheker wollen und werden nicht therapieren.»

 

Um eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen den Heilberufen zu gewährleisten, sei es nötig, standardisierte und möglichst rationale Wege der Kommunikation zu etablieren, ergänzte Schmidt. Dass die Kooperation gelingen könne, zeigten Modellprojekte wie die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN). Allerdings wolle man die Phase der Modellprojekte so schnell wie möglich hinter sich lassen und in die Fläche gehen, so Schmidt. «Diese Leistung ist so wichtig, dass man sie niemandem vorenthalten darf.» Das erfordere auch aufseiten der Patienten eine Umgewöhnung. Denn Grundvoraussetzung für ein kontinuierliches Medikationsmanagement ist es, dass eine Apotheke den Überblick über die Gesamtmedikation des Patienten behält. Dazu müssten die Patienten lernen, sich an eine bestimmte Apotheke zu binden. (am)

 

10.07.2014 l PZ

Foto: Barmer-GEK