Hohe Zahl an Stent-OPs: Kasse bezweifelt Notwendigkeit |
Die gut 335.000 Klinik-Behandlungen, die 2013 wegen verengter Herzkranzgefäße vorgenommen wurden, waren laut einer Studie womöglich teilweise überflüssig. Es gebe wahrscheinlich zu viele solche Eingriffe, sagte die Mitautorin des neuen Krankenhausreports der Krankenkasse Barmer GEK, Eva Maria Bitzer, heute in Berlin. Insgesamt gelte, dass die Zahl der Behandlungen auch deshalb zunehme, weil die Kliniken die entsprechenden Preise bezahlt bekommen wollten, sagte Kassen-Vizechef Rolf-Ulrich Schlenker. «Man muss gegensteuern», forderte er von der Politik, die derzeit eine Klinikreform plant.
Bei der Therapie verengter Herzkranzgefäße stieg vor allem die Zahl der Eingriffe, bei denen mit Medikamenten beschichtete Stents in die Arterie eingeführt werden. Sie nahm von 2005 bis 2013 um 227 Prozent auf gut 204.000 zu. Aufwendige Bypass-Operationen am offenen Herzen nahmen um 24 Prozent auf 53.000 ab. Immer seltener eingesetzt werden unbeschichtete Stents: 48.000-mal im vergangenen Jahr. Ballons, die in der Arterie aufgebläht werden, kamen 30.000-mal zum Einsatz. Die Implantation von Stents ist vergleichsweise schonend, daher würden auch immer mehr Risikopatienten und Ältere damit versorgt, die früher unbehandelt geblieben seien, sagte Schlenker. Doch erfüllt die Methode laut dem Report ihre Erwartungen nicht. Denn jeder fünfte Patient müsse sich innerhalb von zwölf Monaten erneut einer Behandlung unterziehen.
Die Experten wiesen darauf hin, dass es insgesamt weniger Durchblutungsstörungen am Herzen und entsprechende Behandlungen gebe. Die Gründe seien, dass weniger Menschen an Bluthochdruck oder zu hohen Blutfettwerten litten und Betroffene besser behandelt würden. Deshalb seien Zweifel daran angebracht, dass die steigende Zahl der Behandlungen zur Erweiterung der Gefäße gerechtfertigt sei.
22.07.2014 l dpa
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