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Resveratrol: Gut für die Mutter, schlecht für den Fetus

 

Neue Forschungsergebnisse aus Tierversuchen an schwangeren Makaken-Affen weisen darauf hin, dass das Antioxidanz Resveratrol, das in einer Vielzahl von Nahrungsergänzungsmitteln enthalten ist, zwar Vorteile für die schwangeren Mütter hat, aber die Bauchspeicheldrüse des Fetus schädigen kann. Kevin L. Grove und Kollegen hatten übergewichtigen, schwangeren Makaken zu ihrer normalen Diät («Western-Style»-Diät mit 37 Prozent Fett) zusätzlich täglich ein Nahrungsergänzungsmittel mit Resveratrol (0,37 Prozent) verabreicht. Die Kontrollgruppe erhielt die «Western-Style»-Diät ohne Resveratrol. Zur zusätzlichen Kontrolle wurde diese Gruppe mit normalgewichtigen Affen unter einer fettarmen Diät verglichen.

 

Unter Resveratrol verbesserte sich der Blutfluss von der Plazenta zum Fetus, was dazu führte, dass Schwangerschaftskomplikationen bei den übergewichtigen Affen abgemildert wurden. Bei diesen positiven Ergebnissen auf die Schwangerschaft waren die Forscher umso mehr überrascht, als sich bei den Feten, bei deren Müttern das Futter mit Reveratrol angereichert war, eine vollkommen unerwartete Wirkung zeigte: Die Bauchspeicheldrüse hatte sich unter Resveratrol-Zugabe abnorm entwickelt. Da das Pankreas aber eine wichtige Rolle bei der Regulation der Blutglucose spielt, könnte ein Defekt dieses Organs das Risiko, später an Diabetes zu erkranken, erhöhen.


Für die Wissenschaftler waren diese völlig unerwarteten Eigenschaften des als sicher geltenden Antioxidanz Anlass, von der Gabe entsprechender Nahrungsergänzungsmittel in der Schwangerschaft dringend abzuraten – zumindest solange, bis dieses mögliche Risiko durch weitere Studien nicht ausgeräumt wurde. Die Studie erschien im «FASEB-Journal», einer renommierten Zeitschrift der Federation of American Societies for Experimental Biology.

 

Die unerwarteten Ergebnisse dieser Studie zeigen erneut, dass Frauen während der Schwangerschaft sehr vorsichtig sein sollten, wenn sie Nahrungsergänzungsmittel konsumieren. Im Zweifel sollten sie ihren Arzt fragen. Denn was gut für die Mutter sein mag, kann schädlich für das Neugeborenen sein. Resveratrol kommt natürlicherweise in der Schale von roten Weintraube, in Blaubeeren, Erdnüssen oder dunkler Schokolade vor. Bislang ist nicht bekannt, dass diese Lebensmittel für Schwangere bedenkliche Mengen des Flavonoids enthalten. (rt)

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doi: 10.1096/fj.13-245472

 

13.06.2014 l PZ

Foto: Fotolia/msk.nina