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Apothekentest: ZDF kritisiert Beratung

 

Das ZDF-Verbrauchermagazin «Wiso» kommt nach drei Apothekenbesuchen zu dem Ergebnis: Die Beratung in Apotheken lässt teilweise deutlich zu wünschen übrig. Nur ein Apotheker wurde den Anforderungen der Wiso-Tester gerecht. Gemeinsam mit einer Alibi-Enkelin als Zeugin schickte das Verbrauchermagazin eine ältere Testkäuferin in drei verschiedene Apotheken. Die Testkundin wurde über einen Knopf im Ohr von der Wiso-Expertin Manuela Brandl mit Fachbegriffen und Fragen versorgt. Brandl arbeitet selbst in einer Apotheke und hat für eine unabhängige Prüforganisation in der Vergangenheit schon mehr als 200 Apotheken getestet.

 

Bereits in der ersten Apotheke wird der Zuschauer auf die Beratungs-Leitlinie der Bundesapothekerkammer aufmerksam gemacht. Demnach sollen sich Apotheker als erstes danach erkundigen, für wen das gewünschte Arzneimittel ist. Der Testerin, die ein Grippemedikament für ihren Enkel kaufen will, wird ohne Nachfrage ein Kombipräparat empfohlen. Erst auf Nachhaken der Kundin fragt die Apothekerin nach dem Alter des Patienten und schlägt daraufhin einen Hustensaft für das dreijährige Kind vor. Insgesamt reagierte die Apothekerin mehr auf Fragen, als sich selbst aktiv zu erkundigen. Nach Auflösung der Situation soll sie laut Wiso gesagt haben, dass sie selten nachfrage, da sie sich durch andere wartende Kunden zeitlich unter Druck gesetzt fühle.

 

Eine zufriedenstellende Beratung erfuhr die Testkundin in der zweiten Apotheke. Dort verlangte diese ein wirksames Mittel gegen Durchfall. Ein junger Apotheker schlägt vor, anstelle des Originals das günstigere Generikum zu kaufen. Als die Testkäuferin darüber hinaus Calcium-Kautabletten kaufen möchte, zeigt sich der Apotheker aufmerksam und klärt die Testkundin darüber auf, dass sie Calcium nicht gemeinsam mit ihrem Osteoporose-Präparat einnehmen dürfe.

 

Über diese Wechselwirkungen wird die Testerin beim dritten Apothekentest hingegen nicht aufgeklärt. Selbst auf gezielte Nachfrage reagiert der Apotheker nicht. Erst als die Testkundin über ihr Smartphone recherchiert, erkundigt sich auch der Apotheker im Internet. Als Begründung für sein Verhalten soll er gegenüber Wiso erklärt haben, dass er durch die wiederholten Fragen der Kundin gestört worden sei und so keine richtige Antwort habe geben können.

 

«Bei fast allen Beratungen hatten wir einige Kritikpunkte anzubringen», so das Fazit von Brandl. Wichtige Fragen seien nicht gestellt, Wechselwirkungen nicht erkannt und zu teure Produkte angeboten worden. «Es herrschte zeitweise große Unsicherheit bei den Beratenden und es wurden auch des Öfteren gesundheitsschädliche Einnahmehinweise gegeben.» (ys)

 

11.03.2014 l PZ

Foto: ABDA (Symbolbild)