Statine: Schaden oder Nutzen fürs Gehirn? |

Die kurzfristige Einnahme von Statinen scheint dem Gehirn nicht zu schaden. Länger als ein Jahr genommen könnten die Cholesterolsenker sogar das Demenzrisiko reduzieren. Das sind die Ergebnisse einer Übersichtsarbeit, für die Forscher mehrere Studien auswerteten, an denen insgesamt mehr als 23.000 Patienten teilnahmen. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft äußerten sich jetzt vorsichtig optimistisch zu den Ergebnissen.
Bislang sei die Studienlage zum Effekt der Statine auf das Gehirn nicht eindeutig. So zeigten einige Arbeiten, dass es unter einer relativ kurzen Statin-Einnahme zu kognitiven Störungen wie Vergesslichkeit kommen kann. Langfristige Studien zeigten dagegen keinen Einfluss oder sogar einen schützenden Effekt vor Demenz. Einige der qualitativ hochwertigen Studien fassten Wissenschaftler um Kristopher J. Swiger von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore nun zusammen und veröffentlichten die Ergebnisse Ende vergangenen Jahres im Fachjournal «Mayo Clinic Proceedings».
Demnach ließ sich nach kurzfristiger Einnahme von Statinen (kürzer als ein Jahr) kein negativer Effekt auf die geistige Leistung feststellen. Die Einnahme über mehrere Jahre konnte das Demenzrisiko sogar um 29 Prozent senken. Ein Kritikpunkt an der Studie sei, so die deutschen Fachgesellschaften, dass zwei große Statin-Studien (PROSPER und Heart Protection Study) nicht in die Bewertung mit einflossen. Trotzdem äußerten sie sich positiv.
Was die neurokognitiven Effekte der Statin-Therapie angeht, könnten Ärzte und Patienten nun beruhigt sein, kommentiert Professor Dr. Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen. Aufgrund früherer Berichte zu möglichen Nebenwirkungen der Statine auf das Gedächtnis sei die neue Studie trotzdem mit Vorsicht zu betrachten. «Es stimmt mich aber optimistisch, zu sehen, dass die Einnahme von Cholesterolsenkern über einen längeren Zeitraum womöglich das Risiko verringert, an einer Demenz zu erkranken». Er warnte jedoch davor, Statine ohne entsprechende Zulassung als Antidementiva einzusetzen und riet zu regelmäßigem Sport als Demenzprävention. (db)
doi: 10.1016/j.mayocp.2013.07.013
10.02.2014 l PZ
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