Phenprocoumon und Antibiotikum: Vorsicht, Blutungsrisiko! |

Patienten, die den Blutgerinnungshemmer Phenprocoumon und gleichzeitig ein Antibiotikum einnehmen, haben ein deutlich erhöhtes Blutungsrisiko. Zu diesem Ergebnis kommt eine deutsche Forschergruppe, die Daten von 24 Millionen AOK-Versicherten auswertete. Das Ergebnis der Untersuchung ist im Fachmagazin «Thrombosis and Haemostasis» erschienen.
Die Wissenschaftler um Dr. Sascha Abbas und Dr. Ingrid Schubert von der Universität Köln konnten laut einer Pressemitteilung der Universität nachweisen, dass je nach Art des Antibiotikums das Blutungsrisiko zwei- bis fünfmal so hoch ist wie für Patienten ohne gleichzeitige Antibiotikum-Einnahme. Mit einem besonders hohen Risiko waren Cotrimoxazol sowie Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone behaftet. Des Weiteren konnten aufgrund der Größe der Studie erstmals auch Risiken für selten verschriebene Antibiotika berichtet werden.
Wechselwirkungen zwischen Antibiotika und Blutverdünnern sind zwar bekannt, werden jedoch bei der Therapie im Praxisalltag noch nicht ausreichend berücksichtigt, schlussfolgern die Autoren. Sie empfehlen, bei den betroffenen Patienten, die Therapie engmaschig zu kontrollieren. Wenn möglich, sollte auf Antibiotika zurückgegriffen werden, die mit niedrigeren Blutungsrisiken einhergehen.
Die Wissenschaftler aus Köln führten die Studie in Kooperation mit dem Institut für Klinische Pharmakologie der Goethe-Universität in Frankfurt/Main, dem Wissenschaftlichen Institut der AOK sowie dem AOK Bundesverband durch. Sie könnte vor allem für Deutschland von Bedeutung sein, da im Gegensatz zu vergleichbaren internationalen Studien der hierzulande gängige Blutverdünner Phenprocoumon untersucht wurde. In den USA wird hauptsächlich Warfarin eingesetzt. (kg)
doi: 10.1160/TH13-09-0723
17.01.2014 l PZ
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