Hormone: Kosmetika unter Verdacht |

Rund ein Drittel der in Deutschland gängigen Kosmetika enthalten Chemikalien, die sich negativ auf das Hormonsystem im Körper auswirken können, heißt es in einer neuen Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), die heute in Berlin vorgestellt wurde. «Gefährlich sein kann das vor allem für Schwangere und Kleinkinder», sagte BUND-Expertin Sarah Häuser. Verboten sind die Substanzen nicht, manche stehen bisher jedoch im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu mindern, die Pubertät früher beginnen zu lassen oder bestimmte Krebsarten mit auszulösen.
Für seine Studie hat der BUND mehr als 60.000 Körperpflegeprodukte auf ihre Inhaltsstoffe untersucht. Im Visier standen vor allem 15 Substanzen, die auch auf einer EU-Liste als potenzielle hormonelle Schadstoffe geführt werden. Dazu gehörten zum Beispiel Ethylhexyl Methoxycinnamate oder 4-Methylbenzylidene Camphor, die in UV-Filtern von Sonnencremes vorkommen. Andere Chemikalien sind in Haarfärbemitteln, Hautpflege- oder Hautschutzmitteln enthalten.
Solche Substanzen könnten im Körper ähnlich wie weibliche Hormone wirken, sagte BUND-Expertin Häuser. In der Vergangenheit habe es vermehrt gesundheitliche Auffälligkeiten gegeben, was nachdenklich stimmen müsse: verminderte Spermienqualität bei jungen Männern, missgebildete Geschlechtsorgane bei männlichen Babys oder hormonbedingte Krebsarten wie Brust- oder Prostatakrebs.
Vor einer generellen Diskriminierung bestimmter Substanzen warnt der Toxikologe Thomas Platzek vom Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Seiner Einschätzung nach haben sich etwa Methyl- und Etyhlparaben als sicher erwiesen. «Diese Stoffe sind auch in Lebensmitteln enthalten», sagt Platzek. Andere seien allerdings umstritten. «Auf EU-Ebene wird diskutiert, die Grenzwerte von Propyl- und Butylparaben um die Hälfte abzusenken», ergänzt Platzek. Diese beiden Konservierungsmittel sind zum Beispiel in Dänemark in Produkten für Kinder unter drei Jahren verboten. Beide Stoffe spürte der BUND in einigen gängigen Kosmetika auf. Er fordert nun ein nationales Verbot nach dänischem Vorbild.
Aus dem Bundesverbraucherschutzministerium hieß es dazu: Ein «nationaler Alleingang» sei wenig hilfreich. Viele Produkte würden importiert. Man dränge auf EU-Ebene jedoch auf Beschränkungen bei Parabenen und stütze wissenschaftliche Empfehlungen, Propyl- und Butylparaben etwa in Produkten für die Babypflege zu verbieten. Die zuständigen Gremien würden sich derzeit noch beraten.
24.07.2013 l dpa
Foto: Fotolia/artburger