Lebererkrankungen: Arzneistoffe richtig dosieren |

«Leberwerte sind wichtige Kriterien zur Diagnose und Verlaufskontrolle von Lebererkrankungen, eignen sich aber nicht zur Dosisanpassung von Arzneistoffen», erklärte Professor Dr. Ulrich Jaehde von der Universität Bonn beim Pharmacon in Meran. Bei einer akuten Leberdysfunktion sei die Pharmakokinetik kaum verändert; bei chronischen Leberschäden müsse die Arzneistoffdosis aber meist angepasst werden.
Zur Beurteilung des Schweregrads einer Leberdysfunktion ist der Child-Pugh-Score etabliert. Neben Bilirubin, Albumin und INR (International Normalized Ratio) werden Enzephalopathie und Aszites bepunktet. Bei fünf bis sechs Punkten liegt eine leichte, ab neun Punkten eine schwere Leberdysfunktion vor.
Ist die Leber geschädigt, werden Arzneistoffe, die überwiegend hepatisch metabolisiert werden, langsamer eliminiert. Dies beruht auf einer verminderten Kapazität der metabolisierenden Enzyme oder einem verminderten hepatischen Blutfluss. Relevant ist dies vor allem bei Arzneistoffen mit geringer therapeutischer Breite.
Kritisch sind «High extraction drugs», bei denen die Clearance vom hepatischen Blutfluss abhängt, betonte der Professor für Klinische Pharmazie. Diese Stoffe hätten in der Regel einen hohen First-pass-Effekt und eine geringe Bioverfügbarkeit. Jaehde empfahl, solche Stoffe – wenn sie nicht zu vermeiden sind – sehr vorsichtig zu dosieren: beginnend mit 25 bis 50 Prozent der Normaldosis und dann weiterführend mit 50 Prozent der Erhaltungsdosis. Diese Dosis dürfe man nur sehr langsam und kontrolliert erhöhen. Zu diesen Arzneistoffen gehören Analgetika wie Morphin und Pentazocin, etliche Antidepressiva, Betablocker wie Metoprolol und Propranolol, Calciumkanalblocker wie Nicardipin und Verapamil oder Migränemittel wie Sumatriptan. Bei «Low extraction drugs» könne man dagegen die volle Initialdosis und dann 50 Prozent der Erhaltungsdosis geben. Diese Dosis wird langsam unter Kontrolle erhöht. Das langsame Auftitrieren der Dosis bis zur erwünschten Wirkung wird häufig mit dem Slogan «Start low, go slow» umschrieben. (bmg)
31.05.2013 l PZ
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