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Jahrbuch Sucht: Unterschätzte Droge Alkohol

 

Alkohol und Nicotin sind die Suchtmittel, die in Deutschland mit Abstand am meisten Kosten verursachen und Menschenleben fordern. Das geht aus dem von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) herausgegebenen «Jahrbuch Sucht 2013» hervor, das heute in Berlin vorgestellt wurde. «Im Jahr 2011 starben etwa 74.000 Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums und etwa 100.000 an Folgeerkrankungen des Rauchens», sagte die stellvertretende DHS-Geschäftsführerin Gabriele Bartsch. Den volkswirtschaftlichen Schaden aufgrund von Alkohol bezifferte sie auf 27,2 Milliarden Euro jährlich; die durch Tabak verursachten Folgekosten betrügen 20 Milliarden Euro pro Jahr.

Beim Rauchen gebe es aber erfreulicherweise besonders unter Jugendlichen einen rückläufigen Trend, der vor allem auf die strengeren Gesetze zum Nichtraucherschutz und die gesellschaftliche Ächtung des Rauchens zurückzuführen sei. Dagegen hätte der Pro-Kopf-Verbrauch von Alkohol 2011 unverändert bei 9,6 Litern reinem Alkohol jährlich gelegen.

«Die wenigsten wissen, dass man auch alkoholbedingt erkranken kann, ohne abhängig zu sein», sagte Bartsch. Schon Alkoholmengen, die meistens als gering angesehen würden, könnten bei regelmäßigem Konsum die Organe schädigen, das Krebsrisiko erhöhen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen. Frauen sollten nicht mehr als 12 Gramm reinen Alkohol täglich trinken, bei Männern liegt diese Grenze bei 24 Gramm. Zum Vergleich: 0,3 Liter Bier enthalten etwa 13 Gramm reinen Alkohol, 0,2 Liter Wein circa 16 Gramm.

Die Gefahren des Alkohols werden laut DHS unterschätzt, weil die Droge sozial akzeptiert und legal ist. Zudem ist die Herstellung alkoholischer Getränke in Deutschland ein wichtiger Wirtschaftszweig. Alkohol-Werbung ist omnipräsent und die deutschen Steuern auf Alkoholika sind im internationalen Vergleich sehr niedrig. Um den Alkoholkonsum in Deutschland zu reduzieren, plädiert die DHS daher dafür, die Steuern anzuheben, den Verkauf von Alkohol zeitlich zu begrenzen, Promillekontrollen im Straßenverkehr auszuweiten und die Alkohol-Werbung zu regulieren. (am)

 

03.04.2013 l PZ

Foto: Fotolia/Steve Cukrov