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Isotretinoin: Todesfall nach Rhabdomyolyse

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Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) empfiehlt, Isotretinoin-Patienten auf das vorhandene Risiko einer Rhabdomyolyse und Warnsymptome wie Muskelschmerzen, Schwäche und dunklen Urin hinzuweisen, besonders bei hoher sportlicher Aktivität. Neben den in der Fachinformation empfohlenen Kontrollen von Leberenzymen und Serumlipiden sollten Ärzte auch die Serumkreatininkinase in regelmäßigen Abständen überprüfen und das Arzneimittel bei deutlich erhöhten Werten absetzen. Anlass ist der Fall eines jungen Mannes, der an einer schweren Rhabdomyolyse mit Herzmuskelbeteiligung gestorben war, die unter der Einnahme von Isotretinoin nach starker körperlicher Belastung auftrat.

 

Der 1988 geborene Mann nahm seit ungefähr vier Monaten täglich 40 mg Isotretinoin zur Aknebehandlung ein, als bei ihm nach dem Sport starke Muskelschmerzen auftraten. Diese ließen sich mit schmerzlindernden Salben behandeln. Auf einer körperlich anstrengenden Asienreise traten wenig später Myalgien, Muskelschwäche sowie eine zunehmende Verschlechterung des Allgemeinzustands auf. Zurück in Deutschland wiesen Ärzte eine Rhabdomyolyse mit beginnendem Nierenversagen sowie eine metabolische Azidose mit erhöhten Transaminase-Werten nach. Im Krankenhaus trat unerwartet eine ventrikuläre Tachykardie mit anschließendem Kammerflimmern und Asystolie auf, an der der Mann starb.

 

Die Datenbank des deutschen Spontanmeldesystems listet insgesamt 969 Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen zu Isotretinoin auf, darunter vier Berichte über Rhabdomyolysen. Drei Fälle traten ebenfalls in Verbindung mit starker körperlicher Anstrengung auf. Beschrieben sei zudem ein Fallbericht einer Myopathie unter Acitretin, Rhabdomyolysen traten bei anderen Retinoiden jedoch nicht auf. Trotzdem lasse sich ein Klasseneffekt nicht ausschließen, so die AkdÄ.

 

Die Fachinformation zu Isotretinoin berichtet über Fälle von Myalgien, Arthralgien und erhöhte Serumkreatinin-Werte, insbesondere nach intensiver sportlicher Anstrengung. Myalgien, Arthralgien und Rückenschmerzen zählen vor allem bei jugendlichen Patienten zu den sehr häufigen Nebenwirkungen. Auf die Gefahr einer Rhabdomyolyse weisen die Hersteller in der Fachinformation jedoch nicht hin. (va)

 

12.02.2013 l PZ

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