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Spenderkot gegen Clostridien-Infektion

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Die Vorstellung ist ein wenig unangenehm, die Methode scheint aber erfolgreich zu sein: Die Übertragungen von Fäces-Lösungen von Gesunden in den Darm von Kranken können chronische Infektionen mit Clostridium difficile ausheilen. Dabei ist die Fäkal-Transplantation der Standard-Antibiotikatherapie deutlich überlegen, berichten Josbert Keller und seine Kollegen im «New England Journal of Medicine».

 

Clostridium difficile ist ein harmloses Darmbakterium. Gerät die Mikroflora im Darm aber durch die Einnahme von Antibiotika in Unordnung, kann sich der Keim massiv ausbreiten und zum Teil schwere Durchfälle verursachen. Behandelt wird die Clostridien-Infektion mit einer erneuten Antibiotika-Gabe, Mittel der Wahl sind Metronidazol und Vancomycin. In 10 bis 20 Prozent der Patienten treten aber Rezidive auf, zum Teil auch mehrfache Rezidive, die sehr schlecht zu behandeln sind. Die bisherige Standardtherapie für solche Patienten ist eine wiederholte und ausgedehnte Vancomycin-Behandlung. Biologisch sinnvoller, als erneute Antibiotikagaben, wäre es allerdings, die gestörte Darmflora zu regenerieren.

 

Diesen Ansatz testeten nun Keller und seine Arbeitsgruppe von der Universität Amsterdam. Sie teilten Patienten mit rezidivierender Clostridium-difficile-Infektion in drei Gruppen auf: Ein Teil erhielt die Standardtherapie (viermal 500 mg Vancomycin pro Tag für 4 bis 5 Tage), die Standardtherapie mit anschließender Darmspülung oder die Standardtherapie mit Darmspülung und Infusion einer Faeces-Lösung  über eine nasoduodenalen Sonde. Der Kot stammte von einem gesunden Spender, der gründlich auf mögliche Pathogene untersucht wurde. Er wurde in saliner Lösung aufgelöst, gerührt und der Überstand über eine Nasensonde, die bis in den Zwölffingerdarm gelegt wurde, in zwei bis drei Minuten infundiert.

 

Die Wirkung war so überzeugend, dass die Studie nach einer Zwischenanalyse abgebrochen werden musste: Bei 13 der 16 Infusionspatienten (81 Prozent) waren die Durchfälle nach der ersten Infusion ausgeheilt. Von den restlichen drei Patienten konnte zwei mit einer weiteren Infusion eines anderen Spenders geholfen werden. In der Vancomycin-Gruppe erholten sich dagegen nur 4 von 13 Patienten (31 Prozent) und in der Gruppe, die Vancomycin plus Darmspülung erhielten, waren 3 von 13 Patienten (23 Prozent) von den Durchfällen befreit. Die Infusionstherapie wurde gut vertragen, abgesehen von milden Bauchkrämpfen und Diarrhö am Tag der Infusion, schreiben die Forscher. Nach der Behandlung war die Diversität der Darmflora wieder erhöht und ähnelte der von Gesunden. (ch)

 

doi: 10.1056/NEJMoa1205037

 

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18.01.2013 l PZ

Foto: Fotolia/Kaulitzki