Diamorphin: G-BA lockert Vorgaben |

Schwer heroinabhängige Patienten sollen künftig leichter mit Diamorphin behandelt werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat gestern beschlossen, die strengen Regeln für Einrichtungen, in denen Süchtige das chemisch reine Heroin erhalten, zu lockern. Schon lange hatten Suchtforscher und Politiker verschiedener Parteien dies gefordert.
Bislang schrieb eine entsprechende Richtlinie vor, dass in solchen Einrichtungen mindestens drei Ärzte angestellt sein müssen. Auch gab es strikte Regeln für die räumliche Trennung von Warte-, Ausgabe- und Überwachungsbereich. Beide Vorgaben hob der G-BA nun auf.
«Ich bin sehr froh, dass es endlich gelungen ist, die zu hohen personellen und räumlichen Voraussetzungen abzusenken», sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP). Die strengen Vorgaben hätten den Aufbau neuer Substitutionseinrichtungen bislang verhindert. Nun könnten sich «weitere Einrichtungen der Behandlung von Schwerstabhängigen mit Diamorphin annehmen und noch mehr Patienten, die diese Behandlung brauchen, versorgt werden».
Auch Manuel Izdebski, Vorstandsmitglied der Deutschen Aids-Hilfe, begrüßte die Entscheidung des G-BA. «Die neue Regelung ist ein Schritt in die richtige Richtung», sagte er. Jedoch genüge dieser Schritt noch nicht. Die entsprechenden Einrichtungen und Praxen müssten von Ländern und Kommunen nun ausreichend finanziell unterstützt werden, um die noch immer strengen Standards einhalten zu können. So ist etwa eine spezielle Sicherheitsverglasung vorgeschrieben. Auch regte Izdebski an, Diamorphin zusätzlich in Tablettenform anzubieten. Dann könnten auch jene Abhängigen erreicht werden, die Heroin nicht injizieren, sondern rauchen.
Diamorphin ist chemisch reines Heroin. Seit 2009 können Schwerstabhängige eine Regelversorgung mit dem Opioid erhalten. Im Gegensatz zum vollsynthetischen Ersatzstoff Methadon flutet es schneller an und sorgt so für den typischen «Kick» beim Konsum. Studien ergaben, dass Patienten unter Diamorphin die Substitution seltener abbrechen als unter Methadon, das lediglich Entzugssymptome verhindert. (ah)
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18.01.2013 l PZ
Foto: Fotolia/Villalon