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Darmflora beeinflusst Risiko für Autoimmunerkrankungen

Eine bestimmte Zusammensetzung der Darmbakterien kann vor Autoimmunerkrankungen schützen. Dabei zeigen sich geschlechts­spezifische Unterschiede, die eventuell erklären, warum Frauen häufiger an Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis oder Multiple Sklerose leiden. Darauf weisen Untersuchungen an Mäusen hin, die kanadische Forscher nun im Fachjournal «Science» präsentieren.

 

Jayne Danska und ihre Kollegen vom Hospital for Sick Children in Toronto arbeiteten mit einem Mäusemodell für Typ-1-Diabetes. Die weiblichen Tiere dieser NOD-Mäuse (non-obese diabetic mice) haben mit 85 Prozent ein deutlich höheres Erkrankungsrisiko als die Männchen. Wurden die Tiere in keimfreier Umgebung aufgezogen, verschwand dieser Unterschied. Danska und ihre Mitarbeiter konzentrierten sich daher auf die Keimbesiedlung der Tiere. Sie übertrugen die Darmflora von erwachsenen Männchen in junge weibliche Mäuse. In der Folge erkrankten nur noch 25 statt 85 Prozent der Weibchen. Ein unerwarteter Effekt der Fäkal-Transplantation war, dass bei den jungen Weibchen der Testosteronspiegel stieg. Das männliche Sexualhormon scheint dabei für den protektiven Effekt verantwortlich zu sein. Wenn die Forscher bei den Weibchen den Testosteronrezeptor blockierten, fiel die Schutzwirkung aus.

 

Dass das Geschlecht einen Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmflora hat, und dass die Darmbakterien die Geschlechtshormonspiegel beeinflussen und diese wiederum an der Entstehung von Autoimmunerkrankungen beteiligt sind, sei völlig neu. «Wir wissen noch nicht, wie die Fäkal-Transplantation die Testosteronproduktion steigert oder wie dieser Prozess vor Autoimmunerkrankungen schützt», sagt Danska in einer Pressemitteilung des Krankenhauses. Noch zu klären sei auch, ob die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind. Wenn ja, ließe sich eventuell über die Regulation der Darmflora das Risiko für Autoimmunerkrankungen senken. Die Autoren der Studie hoffen zudem, dass es künftig einfacher wird, Säuglinge und Kinder mit einem hohen Risiko für Autoimmunerkrankungen zu identifizieren. (ch)

 

doi: 10.1126/science.1233521

 

21.01.2013 l PZ

Foto: Fotolia/ag visuell