Bindehautentzündung: Antibiotikum erst nach drei Tagen! |

Bindehautentzündungen sollten zunächst ohne Antibiotika behandelt werden. Das rät die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) in einer Pressemitteilung. Studien zeigen, dass mit der antibiotischen Gabe problemlos drei Tage gewartet werden kann, so der DOG-Pressesprecher, Professor Dr. Christian Ohrloff aus Frankfurt am Main. «Die Hälfte der Patienten kommt dann ganz ohne Antibiotika aus», ergänzt Dr. Elisabeth Messmer, Augenärztin an der Universität München.
Die DOG empfiehlt Betroffenen einen Augenarztbesuch, wenn sich nach drei Tagen keine Besserung bemerkbar macht. Der Ophthalmologe kann dann, falls nötig, ein Antibiotikum verschreiben. Bei Erwachsenen kommen zunächst die Wirkstoffe Gentamycin, Tobramycin und Azithromycin zum Einsatz. Erst bei sehr schwerem Krankheitsverlauf sollte der Arzt Fluorchinolone verschreiben. Messmer zufolge sind diese sehr wirksam, sollten aber nur als Reserve-Antibiotika bei Erwachsenen dienen. «Für Neugeborene ist Moxifloxacin, für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr Azithromycin das Mittel der Wahl», so Messmer. Antibiotika voreilig zu verordnen sei riskant. «Denn die zunehmende Resistenzentwicklung der klassischen Erreger gegenüber allen Antibiotikagruppen ist besorgniserregend“, warnt die Medizinerin.
Die DOG weist ferner darauf hin, dass sich die Beschwerden in vielen Fällen mit Tränenersatzflüssigkeit und morgendlichen Augenreinigungen lindern lassen. «Dafür tränkt man am besten ein Wattepad mit abgekochtem, lauwarmem Wasser und wischt Lidränder und Wimpern vorsichtig von außen nach innen aus», rät Ohrloff. Danach müsse der Wattepad entsorgt und dürfe kein zweites Mal genutzt werden. (ss)
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28.06.2012 l PZ
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