Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Borreliose: Herausforderung für Ärzte

 

Die Diagnose und Therapie von Borreliose bleibt für Mediziner eine Herausforderung. «Es sind in den vergangenen Jahren wesentliche Fortschritte gemacht worden. Die zuverlässige Therapie ist allerdings weiterhin ein großes Problem. Da sind wir noch nicht am Ziel», sagt der Vorsitzende der Deutschen Borreliose-Gesellschaft (DBG), Kurt E. Müller, vor Beginn der Jahrestagung des Verbands im bayerischen Schweinfurt. «Die Diagnose erfolgt nicht mit ausreichender Sicherheit. Befunde werden oft unterschiedlich interpretiert und es wird nicht selten unterschiedlich eingeschätzt, wann eine behandlungsbedürftige Borreliose vorliegt», berichtet Müller.

 

Typisches Symptom der Borreliose ist die sogenannte Wanderröte, ein roter Ring auf der Haut um den Zeckenbiss. Diese Körperreaktion tritt der DBG zufolge jedoch bei einem Drittel der Erkrankten nicht auf. Weitere Symptome sind Muskel- und Gelenkschmerzen oder auch Fieber und eine Schwellung der Lymphknoten. Sie können innerhalb von vier Wochen nach dem Zeckenbiss auftreten. Wird die Krankheit nicht frühzeitig erkannt, sind Spätfolgen wie Gelenk-, Herzmuskel- oder Nervenentzündungen möglich.

 

Forschungen haben ergeben, dass vor allem die Eigenschaften des Erregers Borrelia burgdorferi, einem Spirochät, die Behandlung schwer machen. «Er kann seine Struktur verändern und sich zudem in eine Ruheform zurückziehen. Das macht es schwer, ihn zuverlässig zu behandeln», erläutert der Experte. Hier gebe es neue Ansätze, die auf der Tagung vorgestellt werden sollen.

 

Forscher aus Innsbruck haben etwa eine Methode entwickelt, mit der im Gewebe der Patienten die Borreliose zuverlässiger erkannt werden kann. Bei der Focus-Floating-Mikroskopie wird durch eine spezielle Schnitttechnik das Gewebe systematisch spiralförmig mit dem Mikroskop durchsucht. «In den Gewebeschnitten können wir Borrelien leichter finden und die Notwendigkeit der Behandlung zuverlässiger erkennen.»

 

Ein wichtiger Aspekt für eine bessere Behandlung sei, dass die Leistung des Immunsystems der Patienten genauer unter die Lupe genommen werden müsse. «Wir müssen uns noch mehr mit den personenbezogenen Eigenschaften auseinandersetzen», sagt der DBG-Vorsitzende. Man könne wesentlich erfolgreicher behandeln, wenn die Verbesserung der Abwehrleistung des Körpers in die Therapie eingebunden werde.

 

Infektions- und Erkrankungszahlen gibt es für Deutschland nicht. «Da gibt es extrem widersprüchliche Zahlen, weil keine einheitliche Erfassung vorliegt», sagt der Hautarzt. «Es gibt Zahlen, die deuten darauf hin, dass im Jahr rund 0,5 Prozent der Bevölkerung neu an Borreliose erkrankt.» Das Nationale Referenzzentrum für Borrelien in Erlangen spricht von 60.000 bis 100.000 Neuerkrankungen im Jahr. Im Bundesgebiet ist die Ausbreitung der Borreliose-übertragenden Zecken uneinheitlich. Sie nimmt laut Müller aber überall zu.

 

Lesen Sie dazu auch

Patienteninformationen des IQWiG zu Borreliose (externer Link)

 

20.04.2012 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/Maria.P.