Arzneistoffentwicklung: Den bakteriellen Biofilm zerlegen |

Forscher wollen mit neuen Medikamenten den Biofilm von Bakterien angreifen. Biofilme bestehen meist aus sehr langen Molekülketten. Zahlreiche Bakterienarten, unter ihnen gefährliche Krankheitserreger wie Pseudomonaden und Staphylokokken, schützen sich mittels Biofilm sowohl vor der Immunabwehr als auch vor dem Angriff von Antibiotika.
Einer Pressemitteilung des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) zufolge stehen allein in Deutschland etwa 100.000 Infektionen pro Jahr im Zusammenhang mit dem Polymer-Schutzwall. So sind durch bakterielle Infektionen entstandene und nicht behandelbare Biofilme häufig die Ursache dafür, dass Knie- und Hüftgelenkprothesen oder auch künstliche Herzklappen ersetzt werden müssen. Schwere Erkrankungen wie Endokarditis, Mukoviszidose oder die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), bei denen Biofilme eine maßgebliche Rolle spielen, verlaufen oft tödlich.
Ein Medikament, das Biofilme verhindern oder auflösen kann, gibt es bislang nicht. In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt sollen Wissenschaftler nun innerhalb von drei Jahren einen ersten Biofilm-Inhibitor in die präklinische Prüfung bringen. Fündig werden könnten sie möglicherweise bei Naturstoffen. «Wir haben ein systematisches Testverfahren entwickelt, mit dem wir Substanzen qualitativ und quantitativ auf eine mögliche biofilmhemmende Wirkung in Pseudomonaden testen können», erklärt Professor Dr. Susanne Häußler vom HZI.
Wissenschaftler des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung im Saarland, einer Außenstelle des Braunschweiger HZI, haben unter der Leitung von Professor Dr. Rolf Müller ein Vorscreening-Verfahren entwickelt, um die große Vielfalt der Naturstoffe zunächst einzugrenzen. «Wir hoffen nun, schnell zu Startsubstanzen zu gelangen, die wir in der Projektlaufzeit zu klinischen Entwicklungskandidaten optimieren können», so Müller. Der Weg zu einem neuen Medikament sei aber noch weit.
Neben der Suche nach Wirkstoffkandidaten in detaillierten Screenings wollen die Forscher im Rahmen des Projekts auch die Bildung und die mögliche Bekämpfung von Biofilmen im Körper von Mäusen untersuchen. «Gerade die Kombination unserer Screening-Methode mit einem Mausmodell macht das Projekt sehr vielversprechend, da beides bisher nicht zur Verfügung stand und die Entwicklung von Biofilm-Hemmstoffen daher kaum möglich war», sagt Häußler. (ss)
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Foto: HZI